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Reicht Liebe, um zusammen zu bleiben? Habe Angst, in einen Kreislauf zu geraten

12. Juli 2006 um 13:16

Hallo,

ich brauche mal einen Rat, eine Meinung.

ich bin seit 9 Jahren mit meiner Frau zusammen, seit 5 Jahren verheiratet, und wir haben eine 20 Monate alte Tochter miteinander.

Ich habe die Konflikte und Probleme in unserer Beziehung, die eigentlich schon seit Anbeginn da waren, immer für weniger wichtig gehalten, da die Liebe über allem stand. Verdrängt. Verziehen. Mich damit abgefunden. Seit zwei Jahren ist es jedoch schlimmer geworden. habe ich jedoch begonnen, Konflikte immer mehr zu vermeiden. Ich habe Verfolgungswahn und Ängste entwickelt.

Wir haben schon früher, obwohl wir viele gute Stunden miteinander verbracht haben, immer wieder wegen der gleichen Dinge gestritten. Ich kriege schon eine Szene gemacht, wenn ich das Haus ein mal pro Woche abends verlasse, um mit ein paar Freunden Musik zu machen. Meine Frau hat Phobien, sie fühlt sich auf Partys, im Kino und überall wo viele Menschen sind, auch nach einer Therapie noch nicht so wohl wie zuhause. Ich jedoch brauche Freiräume. Ich weiß, dass ich diese aber nicht zusammen mit ihr genießen kann, und es fällt mir schwer, sie zu genießen, wenn sie griesgrämig zuhause herumsitzt.

Ich arbeite vollzeit, meine Frau ist seit der Schwangerschaft nur zuhause. Sie beklagt sich über mangelnde Unterstützung, obwohl ich abends mit unserer Tochter spiele, sie teilweise ins Bett bringe, danach noch z.B. die Küche mache, die Kaninchen füttere und teilweise sogar noch etwas am Haus arbeite, vor allen Dingen an den Wochenenden. Ich fühle mich von ihr unter permanenten Druck gesetzt. Außerdem streiten wir permanent wegen Kleinigkeiten, die sie mir vorhält, während ich sie eigentlich nie angreife - es ist einfach nicht wichtig für mich, ob sie etwas liegengelassen hat, aber wenn ich etwas herumliegen lasse, gibt es Ärger. Außerdem war sie in den letzten Jahren so materialistisch und neidisch auf das, was andere haben - wir haben ein tolles Haus in einer tollen Gegend gebaut, unsere Tochter ist das süßeste und liebste Wesen auf der ganzen Welt, aber sie dachte oft an Dinge, wie den Balkon der Nachbarn, dass uns das Nachbarhaus den Blick auf den Wald verstellt usw. Das tat mir so weh.

Ich habe angefangen, mich vor ihr zu verschließen. Habe das alles nicht mehr verstanden, den Streit nicht ausgehalten, mich auf meine Tochter konzentriert. Und ich habe angefangen im Internet mit anderen Frauen zu flirten, um Bestätigung zu bekommen und mich ausweinen zu können. Ein mal habe ich mich sogar verliebt und es dann unterdrück, aber ich habe einen riesigen Schreck dabei bekommen und gemerkt, dass sich etwas ändern muss. Vor einer Woche bin ich nach einem Streit wegen einer halben Stunde, die ich später als geplant nach Hause gekommen bin, zu einem Freund gezogen. Ich hatte schon vorher einen langen Brief vorbereitet, den ich ihr dann gegeben habe. Seitdem haben wir ein paar Gespräche, auch unter Beisein von guten Freunden, geführt.

Ich kann so wie bisher nicht mit ihr weiter leben. Aber ich habe entdeckt, dass ich sie irgendwo auch immer noch liebe. Und sie mich auch. Sie sagt mir offen, dass ich der einzige Mann für sie bin und auch der richtige.

Jetzt kommt dazu, dass sie total verzweifelt ist, mir versprochen hat, an sich zu arbeiten. Dass sie jetzt auf einmal sieht, dass die ganzen Dinge, die für sie in den letzten Jahren wichtig erschienen, wie z.B. eine leere Bierflasche, die ich versehentlich zu den Weinflaschen gestellt hatte, dass diese Dinge auf einmal für sie unwichtig und klein erscheinen. Dass sie selber nicht versteht, warum sie mir immer noch vorhält, in einem Streit mit ihrer Mutter vor sechs Jahren nicht sofort Partei für sie ergriffen zu haben.

Wir haben in einer Woche einen ersten Termin für eine Eheberatung.

Ich würde mir wünschen, dass alles wieder gut geht. Ich habe Angst, dass ich meine Tochter wenn die beiden wieder von hier fort ziehen würden, nur noch alle drei Wochen am Wochenende sehen kann. Ich weiß, dass meine Tochter mich jetzt schon vermisst - sie hat gestern abend beim Abschied geweint. Meine Frau und ich haben auch die ganze Nacht geweint.

Ich habe nur so furchtbare Angst, dass sich die ganzen Konflikte nach einigen Wochen wieder einschleichen. Dass wir in einen destruktiven Kreislauf geraten könnten im Spannungsfeld aus Liebe und dem Berg von Problemen. Dass das am Ende uns und unserer Tochter noch mehr schadet.

Woran kann ich erkennen, ob genug Substanz da ist? Kann ich mit der Skepsis und dem Vertrauensverlust überhaupt die Kraft finden, mich auf das Wiederaufleben der Beziehung einzulassen? Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht?

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12. Juli 2006 um 16:15

Ich würde
jetzt erst mal die Eheberatung abwarten und mal schauen, was da so passiert. Gesagt sind viele Worte schnell, dass man sich ändern möchte, aber es in die Tat umzusetzen, ist noch viel schwieriger. Da ihr beide euch liebt und Deine Frau auch weiß, dass sie Dich verliert, wenn es so weiter läuft wie bisher und sie auch wirklich dazu bereit ist, sich zu ändern, dann habt ihr schon eine Chance. Ich würde nicht gleich wieder bei ihr einziehen, wenn möglich bleib erst mal bei Deinem Freund wohnen. Ein bißchen Toleranz könntest Du allerdings von Deiner Frau erwarten, wenn sie nicht gerne weggeht und sich da unwohl fühlt, kann sie das gleiche nicht von Dir verlangen und müßte Dir auf alle Fälle den Freiraum zugestehen, dass Du wenigstens einmal die Woche etwas für Dich tust. Ich denke, da muß sie sehr an sich arbeiten, um das in den Griff zu bekommen. Dass sie durch ihr problem was sie hat, eigentlich immer zu Hause ist, ist klar, dass sie dann mit sich selber auch unzufrieden ist und dann anfängt sich wegen jeder kleinigkeit aufzuregen. Wenn die erste Therapie nicht geholfen hat, wäre eine zweite Therapie wahrscheinlich nicht verkehrt.

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12. Juli 2006 um 23:47

Meine meinung
Hallo Bubbi,

ehrlich gesagt hört sich ziemlich nett an, was du da schreibst. Man merkt, dass du richtig versuchst einen Ausweg zu finden und sie auch. Ich glaube allerdings auch, dass 3-4 Wochen Abstand (mind.) jetzt nötig sind, damit jeder sich nochmal klar werden kann was er eigentlich wirklich will. Eine Paartherapie ist glaube ich genau das richtige für euch. VOn deinem Treat her spürt man richtig, dass ihr euch wriklich liebt, dass eben nur der alltag und die damit verbundenen unstimmigkeiten zu viel Raum eingenommen haben. Jetzt hat jeder von euch nochmal die Möglichkeit genau zu bedenken, woran er bei sich noch arbeiten muss oder will. Falls die Gegensätze zu groß sind, ist es natürlich schwierig, aber ich drück euch die daumen. Deine Frau, so wie du sie Beschreibst, erinnert mich ein wenig an mich und du mich an meinen Ex. Ich hab auch teilweise sehr geklammert, wobei ich ihm die Freiheit letzten Endes doch gegeben habe, meiner Meinung nach zumindest. Aber ich war selbst so unausgeglichen, dass ich damit schliesslich doch nicht klar kam und das spiegelte sich dann in kleinen Dingen wieder, wie, wenn Dinge nicht aufgeräumt werden usw. Meist hat das mit dem anderen aber gar nichts zu tun. ich glaube auch, dass ihr das jetzt klar geworden ist, durch deine Entscheidung auszuziehen, sie muss es jetzt eben noch verinnerlichen. Schließlich hat sie sich für dich entschieden mit all deinen MAcken, die sie ja auch irgendwo liebt und akzeptiert, aber wenn man selbst unausgeglichen ist, dann ist eben oft der Partner schuld, weil er eben auch nicht perfekt ist. Wahrscheinlich hat sie auch große Verlustängste, wenn sich dich nicht mal einmal die Woche Musik machen lässt. Aber glaube mir, sie weiss das spätestens jetzt ganz genau, dass das übertrieben war, und sie daran arbeiten muss. Ich finde es toll, dass ihr eine Paartherapie macht. Das zeigt doch wirklich, dass ihr beide an der Beziehung arbeiten wollt. Was ich schade fand, war, dass es sich für mich so anhörte, als würdest du deine Tochter vor deine Frau stellen. Vielleicht täusch ich mich ja, aber du nanntest deine Tochter als Grund dich nicht trennen zu wollen. Deine Frau sollte immer erste Priorität haben. Kinder ziehen irgendwann weg, haben dann ihr eigenes Leben, aber mit deiner Frau wirst du alt. wahrscheinlich hast du deine Gefühle deiner Frau gegenüber gerade etwas auf Eis gelegt, weil dich das alles so verletzt. Aber ich glaube sie liebt dich, aber sie muss auch an sich arbeiten und du musst lernen, dich wirklich ihr zu öffnen. ihr zuzuhören, auf ihre Gespräche und Gefühle wirklich eingehen und ihr auch dass Gefühl zu geben, dass es keine andere Frau für dich gibt, indem du sie mit kleinigkeiten überraschst, Blumen, oder irgendwas, wo sie mal sagte, dass sie das gerne hätte. Aber am besten nicht jetzt gleich sondern erst, wenn ihr wieder mehr Gefühle zulassen könnt und die ganze Sache etwas verdaut habt. Sie muss jetzt auch lernen, sich mit ihren Fehlern auseinander zu setzen und du darfst es ihr nicht zu einfach machen, sonst seit ihr wieder ganz schnell, da wo ihr gewesen seid. Sie soll jetzt auch mal zeigen, dass sie wirklich bereit ist, zurück zu stecken und geduldig zu warten. Klingt zwar hart, aber es gehört eben auch Demut zur Liebe und da muss sie vielleicht noch drann arbeiten.
ich bin mir ganz sicher, dass das wieder werden kann mit euch zweien. Vielleicht solltest du dir mal überlegen, wer dieser Mensch, mit dem du zusammen bist, eigentlich wirklich ist und wirklich voller neugierde sein und sie sodurch auch mit anderen augen anschauen. Ich denke, das wird ihr bestimmt etwas helfen mit der momentanen trennung klar zu kommen. Stellt eure Freundschaft in Mittelpunkt und stell fragen über ihre vergangenheit, über das was ihr besonders schönes oder besonders trauriges wiederfahren ist. Wahrscheinlich kennt man nach so langer Zeit den Partner schon in und auswendig. aber wenn man wirklich mit großer Neugierde auf den Partner blickt, kann man immer wieder neues feststellen. Seiten die man nie gesehen hat und daraus ergeben sich dann plötzlich ganz neue Fragen oder Dinge, über die man sich austauschen kann. Es gibt soviele Dinge, über die man reden kann und zwar nicht bloss bla bla, sondern wirklich Dinge, die eine Nähe schaffen. Man muss dann aber auch stark genug sein, diese Nähe aus zu halten. (Aber soweit solltest du jetzt aufjedenfall noch noch nicht gehen)
Geb dir selbst noch etwas Zeit, aber dann, wenn du denkst, dass es Zeit wäre, sich wieder konstruktiv auf den anderen zuzu bewegen, dann mit großer Offenheit.
Wünsch euch wirklich sehr viel Glück und auch alles liebe für eure Tochter,
ich hoffe, ich konnte mich einigermassen verständlich ausdrücken.
Alles Gute
Syl

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