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Meine treue Begleiterin eingeschläfert

11. Oktober 2010 um 1:00 Letzte Antwort: 13. Oktober 2010 um 1:04

Hallo ihr
Ich hab mich extra angemeldet um meiner Trauer ein wenig luft zu machen.
Habe am Freitag meine Trakehnerstute einschläfern lassen...
Sie hat mir sechs tolle Jahre geschenkt und jeden Quatsch mitgemacht, war eine ruhige Seele, man konnte alles mit ihr machen und hat mich nie abgeworfen.
Vor einem halben Jahr ging sie in "Rente" , war schon 26 und konnte nicht mehr so wie sie wollte...
Sie genoss tolle Tage auf der Weide und spaziergänge

Am Freitag dann der Schock: Kolik, Darmverschluss....
OP kam nicht mehr in Frage
Sie lag im Gras, ihr Kopf in meinem Schoß und nach der ersten Spritze merkte man ihr die Erleichterung an
nach der zweiten Spritze wurde der Kopf schwer und sie atmete das letzte mal aus...
ich heule rotzt und wasser, ich kann es garnicht fassen....
es würde mir irgendwie helfen wenn ihr eure Erfahrungen mit mir teilen würdet...ich komm mir in der Sache so einsam vor..
mit freundlichen grüßen Lea

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11. Oktober 2010 um 22:41

Oh weh...
du arme! Ich kann sehr gut verstehen, wie du dich fühlst.
Fühl dich mal ganz lieb in den Arm genommen.
Wir hatten auch großes Pech diesen Sommer.
Ende August rief meine Freundin mich nachts an, die Polizei wäre bei ihr, eins der Pferde wäre angefahren worden. Wir haben unsere zusammen auf der Wiese gehabt. Sie einen Wallach, ich eine Stute...
Wir haben uns dann im Nachbarort mit der Polizei getroffen bzw sie wurde ja abgeholt und ich fuhr mit dem Auto schnell rüber.
Ein Pferd war tot, das andere stand auf der Wiese, aber die Polizisten konnten nicht sagen wessen Pferd tot war. Das verunfallte Pferd war auf die Bahnschienen gelaufen und vom Zug erwischt worden. Wir mussten ewig weit über die Bahnschwellen laufen um das Pferd zu identifizieren.
Es war Horror pur... wir liefen Hand in Hand, schrecklich war es so oder so und jeder dachte es ist sein Pferd was tot ist.
Kurz bevor wir an der Unfallstelle ankamen, sagte einer der Polizisten: "Sie müssen sich jetzt zusammenreißen, da liegt die Stute."
Die STUTE!!! In mir brach eigentlich alles zusammen... die Stute war ja meins...
Er leutete mit der Taschenlampe auf das tote Pferd... hellbraunes Fell... ich habe eine Haflingerstute meine Freundin einen Norwegermix... dann kam er an den Beinen an... schwarze Füße.... ich sagte nur: "Das ist nicht meine, das ist auch keine Stute, das ist ein Wallach..." dann schrie meine Freundin los...
Er lag einfach da, direkt am Weidezaun, nur eben außerhalb... man sah keine Verletzung von unserem Standort aus und hingehen ließen sie uns nicht.
Meine Stute stand auf der anderen Seite vom Zaun mit hängendem Kopf, trauernd.
Ich habe sie dann von der Wiese genommen und in den Stall gebracht... den ganzen, langen Weg bis zum Stall schrie sie immer und immer wieder nach ihm.
Er ist nur 15 geworden und unklar ist, warum er sterben musste.
War jemand auf der Wiese? Ein Mensch? ein Tier?
Der Zug hat ihn am Maul erwischt. Warum läuft ein Pferd durchs Gleisbett? So viele Fragen, die wohl nie eine Antwort bekommen.
Es tut weh ein Tier zu verlieren, der Preis den wir für die Liebe bezahlen die wir bekommen und geben dürfen ist hoch...aber er ist es allemal wert!
In Gedanken bei dir... ich wünsche dir viel Kraft und hoffe du hast jemand in der Nähe, dem du deinen Kummer ins Fell weinen kannst... ich glaube das hilft immer am allermeisten.
Liebe Grüße Doro

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12. Oktober 2010 um 1:35
In Antwort auf careen_12088363

Oh weh...
du arme! Ich kann sehr gut verstehen, wie du dich fühlst.
Fühl dich mal ganz lieb in den Arm genommen.
Wir hatten auch großes Pech diesen Sommer.
Ende August rief meine Freundin mich nachts an, die Polizei wäre bei ihr, eins der Pferde wäre angefahren worden. Wir haben unsere zusammen auf der Wiese gehabt. Sie einen Wallach, ich eine Stute...
Wir haben uns dann im Nachbarort mit der Polizei getroffen bzw sie wurde ja abgeholt und ich fuhr mit dem Auto schnell rüber.
Ein Pferd war tot, das andere stand auf der Wiese, aber die Polizisten konnten nicht sagen wessen Pferd tot war. Das verunfallte Pferd war auf die Bahnschienen gelaufen und vom Zug erwischt worden. Wir mussten ewig weit über die Bahnschwellen laufen um das Pferd zu identifizieren.
Es war Horror pur... wir liefen Hand in Hand, schrecklich war es so oder so und jeder dachte es ist sein Pferd was tot ist.
Kurz bevor wir an der Unfallstelle ankamen, sagte einer der Polizisten: "Sie müssen sich jetzt zusammenreißen, da liegt die Stute."
Die STUTE!!! In mir brach eigentlich alles zusammen... die Stute war ja meins...
Er leutete mit der Taschenlampe auf das tote Pferd... hellbraunes Fell... ich habe eine Haflingerstute meine Freundin einen Norwegermix... dann kam er an den Beinen an... schwarze Füße.... ich sagte nur: "Das ist nicht meine, das ist auch keine Stute, das ist ein Wallach..." dann schrie meine Freundin los...
Er lag einfach da, direkt am Weidezaun, nur eben außerhalb... man sah keine Verletzung von unserem Standort aus und hingehen ließen sie uns nicht.
Meine Stute stand auf der anderen Seite vom Zaun mit hängendem Kopf, trauernd.
Ich habe sie dann von der Wiese genommen und in den Stall gebracht... den ganzen, langen Weg bis zum Stall schrie sie immer und immer wieder nach ihm.
Er ist nur 15 geworden und unklar ist, warum er sterben musste.
War jemand auf der Wiese? Ein Mensch? ein Tier?
Der Zug hat ihn am Maul erwischt. Warum läuft ein Pferd durchs Gleisbett? So viele Fragen, die wohl nie eine Antwort bekommen.
Es tut weh ein Tier zu verlieren, der Preis den wir für die Liebe bezahlen die wir bekommen und geben dürfen ist hoch...aber er ist es allemal wert!
In Gedanken bei dir... ich wünsche dir viel Kraft und hoffe du hast jemand in der Nähe, dem du deinen Kummer ins Fell weinen kannst... ich glaube das hilft immer am allermeisten.
Liebe Grüße Doro

....
Danke für die Antwort! Nimm die Umarmung gerne an
Bei der Geschichte läufts einem ja eiskalt den Rücken runter...
Du hast recht...tausend Fragen, die hab ich auch!
Und dieses eine kleine Gefühl von Verrat, das macht mich sehr traurig, meine Süße hat mir blind vertraut, immer. Und dann ließ ich sie töten...es war zwar die richtige Entscheidung aber dieses Gefühl das man verantwortlich für den Tot seines geliebten Tieres ist, ist doch sehr schrecklich.
Unsere zweite Stute schreit auch nach ihr, sie teilten sich eine große Box und nun ist sie allein...
Ein neues Pferd will ich nicht, hab auch nicht mehr so die Zeit, wir überlegen einen Esel oder Pony zu holen. Ich weiß aber nicht ob das DIE lösung ist?!....


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12. Oktober 2010 um 12:01
In Antwort auf hooda_12482314

....
Danke für die Antwort! Nimm die Umarmung gerne an
Bei der Geschichte läufts einem ja eiskalt den Rücken runter...
Du hast recht...tausend Fragen, die hab ich auch!
Und dieses eine kleine Gefühl von Verrat, das macht mich sehr traurig, meine Süße hat mir blind vertraut, immer. Und dann ließ ich sie töten...es war zwar die richtige Entscheidung aber dieses Gefühl das man verantwortlich für den Tot seines geliebten Tieres ist, ist doch sehr schrecklich.
Unsere zweite Stute schreit auch nach ihr, sie teilten sich eine große Box und nun ist sie allein...
Ein neues Pferd will ich nicht, hab auch nicht mehr so die Zeit, wir überlegen einen Esel oder Pony zu holen. Ich weiß aber nicht ob das DIE lösung ist?!....


Bestimmt...
wär es für euer Pferd gut wieder Gesellschaft zu haben.
Gerade Herdentiere verarbeiten relativ schnell (meistens). Pferde sind ja darauf angewiesen von 0 auf 100 zu gehen und wieder zurück auf 0. Sonst wären sie ja immer in Panik unterweg wenn sie frei leben. Da wird gejagt, da wird getötet und da wird wieder in aller Ruhe geweidet.
Und was dein schlechtes Gewissen betrifft, das hat man glaube ich immer nachher. Oder zumindest fast immer.
Immerhin hat dein Pferd sich nicht gewehrt, sie lag ruhig bei dir, sie hat dir vertraut! Du hast ihr die Schmerzen genommen und glaube mir, sie wusste was vorgeht, Tiere merken das. Hätte sie es nicht gewollt, hätte sie sich gewehrt.
Ihr hast du nichts angetan, tot sein ist nicht schlimm... die Zurückbleibenden sind die, die dann leiden.
Kennst du die Geschichte von der Regenbogenbrücke? Ich finde den Gedanken daran sehr tröstlich.

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13. Oktober 2010 um 1:04
In Antwort auf careen_12088363

Bestimmt...
wär es für euer Pferd gut wieder Gesellschaft zu haben.
Gerade Herdentiere verarbeiten relativ schnell (meistens). Pferde sind ja darauf angewiesen von 0 auf 100 zu gehen und wieder zurück auf 0. Sonst wären sie ja immer in Panik unterweg wenn sie frei leben. Da wird gejagt, da wird getötet und da wird wieder in aller Ruhe geweidet.
Und was dein schlechtes Gewissen betrifft, das hat man glaube ich immer nachher. Oder zumindest fast immer.
Immerhin hat dein Pferd sich nicht gewehrt, sie lag ruhig bei dir, sie hat dir vertraut! Du hast ihr die Schmerzen genommen und glaube mir, sie wusste was vorgeht, Tiere merken das. Hätte sie es nicht gewollt, hätte sie sich gewehrt.
Ihr hast du nichts angetan, tot sein ist nicht schlimm... die Zurückbleibenden sind die, die dann leiden.
Kennst du die Geschichte von der Regenbogenbrücke? Ich finde den Gedanken daran sehr tröstlich.

....
ja ich hab die geschichte gelesen, sehr schön muss ich sagen.
Danke für deine tollen antworten, hat mir doch ein wenig geholfen!

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