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Kastrieren: Ja oder nein?

13. Juni 2012 um 19:38 Letzte Antwort: 18. September 2012 um 0:27

Ich habe ein männlichen Chihuahua und war heute beim Tierarzt. Der hat mir empfohlen meinen Hund kastrieren zu lassen. Ich bin mir aber nicht so sicher, ob ich das wirklich machen soll. Die Narkose ist immer ein Risiko. Außerdem weiß ich ja auch nicht was für Folgen so eine Kastration hat. Ich weiß nur, dass der Hund wenn man nicht aufpasst schnell dick wird. Außerdem ist das ganze ja auch nicht so wirklich günstig. Andererseits ist mein Hund echt schlimm. Er "rammel" sein Spielzeug und beim spazieren gehen rastet er an der Leine komplett aus, wenn er einen anderen Hund sieht. Ich weiß echt nicht was ich machen soll. Könnt ihr mir da ein paar Tipps geben?

LG Isa

PS: Sorry wenn es so rüber kommt als wäre ich gar nicht informiert und doof. Bin erst 16.

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29. Juni 2012 um 15:31

Schwierige Entscheidung
Wenn dein Hund unter hormonellen Stress steht, würde ich persönlich auch zu einer Kastration raten.

Natürlich hat so eine Kastration auch Folgen, klar Unfruchtbarkeit, weniger sexuell motivierte Handlungen, bei nicht ausgewachsenen Hunden kann es aber auch durch den Hormonmangel (also an Sexualhormonen) dazu kommen dass ein Hund auf dem geistigen Niveau eines Welpen stehen bleibt und der Skelletwachstum anders abläuft (-> ist aber eher bei Kastrationen vor dem 1 Geburtstag der Fall). Auch das mit der Neigung zur Fettleibigkeit hast du nicht ganz unrecht, die meisten Hunde werden durch eine Kastration bessere Futterverwerter, dem kann man aber entgegen steuert indem man die Futtermenge anpassst

Generell nimmst du aber deinem Hund durch eine Kastration den Stress seinen Trieb ausleben zu wollen ohne es je zu können. Auch sexuell motivierte Aggression kann durch eine Kastration abnehmen.

Lass dir einfach alle Pros und Contras durch den Kopf gehen, ist ne schwierige Entscheidung die du da fällen musst.

Ich weiß auch nicht wie ich entscheiden würde wenn es um meinen Hund gehen würde, aber mir wurde die Entscheidung abgenommen da ich meine Hündin schon kastriert aus dem Tierschutz übernommen habe

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18. September 2012 um 0:27

Eigentlich eher contra
Ich bin eigentlich immer eher contra Kastration.

Jedenfalls solange der Hund damit umgehen kann. Ich habe immer gesagt, meine bleiben solange unkastriert, solange sie nicht nächtelang heulen oder Türen zerkratzen, wenn ne Hündin in der Nachbarschaft läufig ist.
"Starke" (ich verwende den Begriff dominant ungern) Rüden wollte ich mit Erziehungsmethoden "zu leibe" rücken

Nun ja, wie dem auch sei.
Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.
Mein jetziger Rüde ist vom Charakter her ein lebensfroher "Spring ins Feld", ein "Ewigjugendlicher", ein "Was kost die Welt?". Er will ausschließlich Spaß und Abenteuer und lässt sich leicht führen, sobald die Führungsfrage geklärt ist. Er ist dann auch sehr auf Harmonie bedacht, möchte keinen Stress.

Vielen anderen Rüden war er immer ein Dorn im Auge. Mit viel Tamtam und Knurrerei begegneten sie uns auf unseren Spaziergängen. Wie gesagt: Meiner blieb dabei immer ruhig, wurde zunehmend ratloser bis hin zu teilweise feige.
Wir haben das Verhalten besonders verbissener Gegner Hundetrainern gezeigt und alle waren sich einig: "Deiner macht doch gar nichts... der weiß ja nicht mal was los ist."
Jo...
Kamel halt.

An der weiblichen Welt hatte er überhaupt kein Interesse. Nur Spielen. Klar, wenn Nachbars Hündin läufig war, dann war 2 Tage nulldiät angesagt und seufzend vor der Wohnungstür liegen. So ist das bei Liebeskummer eben.

Was nach einigen Jahren aber dann dennoch zum Ärgernis wurde, war seine Versessenheit auf Gerüche. Sei es beim Training. "Aha aha, ja interessant, mach ich mit, ahhh... ich rieche ein.... tschüss".... -.-
Oder eben bei Hundebegegnungen. Irgendwann war es so schlimm, dass er sich all seine sozialen Kontakte irgendwie vermieste, weil er mit der Nase nur am Arsch des anderen Hundes hing, egal ob Hündin oder Rüde. Und mir war es auch unangenehm.

Kurz und gut...
ich habe mich also für eine Chipkastration entschieden.
Resümee nach drei monaten: Im Winter werde ich ihn endgültig kastrieren lassen.
Wir sind so beide wirklich wesentlich zufriedener. Er ist viel mehr "bei sich", Hundebegegnungen laufen äußerst entspannt ab, nur noch mit wenigen Rüden gibt es Stress.

Zu deinen Fragen:

1. Narkose
Die Narkose ist zwar immer ein Risiko, aber ich hab meinen Hund schon wegen kleineren Eingriffen unter Narkose setzen lassen. Mittlerweile verstehen die Tierärzte da ja doch ihr Handwerk. Außerdem ist eine Kastration am Rüden so unkompliziert und fix, dass es gar nicht viel Narkosemittel braucht.

2. Folgen
Die kannst du testen. Frag mal nach einer Chipkastration. Damit kannst du deinen Hund ca. 6 Monate praktisch kastrieren. Du wirst schon nach 1-1,5 Monaten die Wesensveränderung erkennen, die sich auch bei einer richtigen Kastrationen einstellen würde.
Meine Tierärztin kastriert fast nur noch nach einem Probelauf mit der Chipkastration, um zu schauen, ob sich der Eingriff auch wirklich lohnt.
Die Chipkastration selber geht schnell über die Bühne. Hund bekommt in den Nacken das Liquid gespritzt. Fertig. 6 Wochen später ist er zeugungsunfähig.

3. Gewichtszunahme
Dass Hunde nach einer Kastration "dick" werden ist ein weit verbreiteter Irrtum. Ich kann jetzt leider keine Prozentangabe machen, das wäre für dich mit einem so kleinen Hund ja interessant. Bei meinem (Ausgangsgewicht 35kg) sagte meine Tierärztin, dass er maximal 2-3kg zunehmen würde, was für mich total okay war, denn die könnte er wirklich mehr haben.
Tatsächlich hat er gar nicht zugenommen.
Man muss eben weiterhin auf die Ernährung des Hundes achten. Kastrierte Hunde neigen zu Hungergefühlen. Wenn ich mich natürlich dann selber zum Futterautomaten degradiere, in dem ich immer schön Wurst und Leckerlie reinstopfe, wird der Hund natürlich zunehmen.

4. Leinenaggression
Ist ein Beziehungsproblem zwischen euch. Hat mit unkastriert und kastriert rein gar nichts zu tun.

5. Kostenfrage
Hierzu möchte dann doch nochmal was sagen.
Du hast dir einen Hund angeschafft, um - hoffentlich - für ihn zu sorgen. Eine Kastration beim Rüden ist keine große Sache, weder in der Durchführung noch finanziell. Da werden u.U. noch wesentlich teurere Behandlungen auf dich zukommen. Du hast für ein Wesen die Verantwortung übernommen, das Geld sollte es dir also wert sein.

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