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Hündin sehr aggressiv, brauche dringend Hilfe

8. August 2011 um 14:05 Letzte Antwort: 8. August 2011 um 15:18

Hallo ihr Lieben
Ich,22 wohne alleine, habe mir vor ca 6 Wochen eine HHündin angeschafft. Sie ist am 29.01.11 in Kreta geboren und wurde vor ca 5 Wochen in eine Pflegefamilie gebracht in Deutschland, die sie mir vermittelte. Was davor mit ihr passiert ist, weiß ich nicht. Es ist ein Terrier- Zwergpudelmix.
Ich habe mich in ihre Kulleraugen und ihre lebendige, freche Art sofort verliebt. Leider ahnte ich nicht, wie schwer das Zusammenleben mit ihr werden wird. Ich arbeite 8 std täglich in Schicht, während dieser Zeit ist sie bei meinen Eltern im Nachbarort. Mit ihrem Hund (7 jähriger Australian Shepard) versteht sie sich super, allerdings ist sie auch bei ihm ziemlich frech. Meine Probleme nun: Sie ist mal mehr, mal weniger stubenrein, pinkelt auf mein Bett, die Couch...
Außerdem fängt sie immer mehr an aggressiv zu reagieren, wenn ich ihr Dinge wegnehme, bzw sie von bestimmten Orten wegzutragen, oder zu schieben (Bett, Couch).
Sie knurrt, stellt die Haare, zieht die Lefzen hoch und verbeisst sich in meiner Hand oder was sie sonst zu fassen kriegt. das gleiche bei meinen Eltern,
Ich weiß nicht was ich falsch mache, ich liebe den hund schon jetzt aber es geht mir mittlerweile wirklich an die Substanz. Ich füttere sie nur noch aus der Hand, gebe ihr Spielzeug nur wenn ich mit ihr spiele, versuche sie nicht zu verhätscheln, ihr Grenzen zu zeigen aber es wird von Tag zu Tag schlimmer. ich denke sie erkennt mich einfach nicht als ranghöher an.
Ich habe heute ein Gespräch mit der Trainerin von der Hundeschule, aber vielleicht kann mir von euch jemand helfen. Ich wäre wirklich dankbar und nehme auch gerne kritik an

Liebe Grüße

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8. August 2011 um 14:25

Clickern
Da es mit körperlicher "Übermacht" ja scheinbar bei dem Winzling nichts wird, alles Schieben, Tragen etc. nichts hilft, würde ich die Taktik ändern, und auf gemeinsame Ziele setzen. Dreh es so, dass sie anfängt das zu möchten, was du im Sinn hast. Dafür würde ich dir die Clickermethode empfehlen.
Ein hierfür sehr gutes Buch:
"Positiv bestärken, sanft erziehen" von Karen Pryor.

Ohne die Situation gesehen zu haben, kann ich auch nicht beurteilen, ob es wirklich freches Verhalten ist, oder ob du ihre Signale nicht verstehst, und sie sich von dir bedrängt fühlst. Mit dem Clicker macht man aber, mit entsprechendem Grundlagenwissen, auf keinen Fall etwas falsch, da hier nur erwünschtes Verhalten bestätigt wird, bzw. es in deiner Hand liegt, was du bestätigst.

"Ranghoch" hat ja nichts mit Stärke oder Größe zu tun, sondern mit Führungsqualitäten - die erreicht man nicht über Handfütterung, Wegschieben oder Spielzeugrationierung. Rudelführer ist derjenige, ganz stark vereinfacht, der nützliche (für die anderen und sich selbst) Entscheidungen trifft und andere ihm darum aus freien Stücken folgen. Führung kann man nicht erzwingen, sondern nur sich verdienen.
Darum würde ich, wie gesagt, auf Clickern und ggf. Spielzeugbelohnung setzen, wenn sie denn gerne spielt. Nutze das, was sie gerne mag zu deinem Vorteil. Ignoriere bestimmtes Fehlverhalten erstmal, wenn du weißt, dass du eh nicht gewinnst, ohne dass es zum Konflikt zwischen euch kommt. Wenn ihr euch später besser aufeinander eingespielt habt, und sie in dir eine verlässliche Führungsperson sieht, der sie vertrauensvoll (!) folgen kann und will, wird sich vieles von selbst ergeben.

Um bestimmte Dinge durchsetzen zu können, ohne ihr wieder Erfolgserlebnisse durch beißen zu verschaffen, würde ich sie in der Wohnung vorerst mit einer kurzen Leine an einem gut sitzenden Geschirr befestigt laufen lassen. So kannst du sie ggf. von der Couch holen, ohne dass sie es schafft dich dafür zu beißen. Runter"zerren" ist zwar kein Zeichen guter Rudelführung, hilft dir aber ungemein, deine Wünsche konsequent durchsetzen zu können - und Konsequenz wiederum hat viel mit guter Rudelführung zu tun.

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8. August 2011 um 14:45
In Antwort auf angsthund

Clickern
Da es mit körperlicher "Übermacht" ja scheinbar bei dem Winzling nichts wird, alles Schieben, Tragen etc. nichts hilft, würde ich die Taktik ändern, und auf gemeinsame Ziele setzen. Dreh es so, dass sie anfängt das zu möchten, was du im Sinn hast. Dafür würde ich dir die Clickermethode empfehlen.
Ein hierfür sehr gutes Buch:
"Positiv bestärken, sanft erziehen" von Karen Pryor.

Ohne die Situation gesehen zu haben, kann ich auch nicht beurteilen, ob es wirklich freches Verhalten ist, oder ob du ihre Signale nicht verstehst, und sie sich von dir bedrängt fühlst. Mit dem Clicker macht man aber, mit entsprechendem Grundlagenwissen, auf keinen Fall etwas falsch, da hier nur erwünschtes Verhalten bestätigt wird, bzw. es in deiner Hand liegt, was du bestätigst.

"Ranghoch" hat ja nichts mit Stärke oder Größe zu tun, sondern mit Führungsqualitäten - die erreicht man nicht über Handfütterung, Wegschieben oder Spielzeugrationierung. Rudelführer ist derjenige, ganz stark vereinfacht, der nützliche (für die anderen und sich selbst) Entscheidungen trifft und andere ihm darum aus freien Stücken folgen. Führung kann man nicht erzwingen, sondern nur sich verdienen.
Darum würde ich, wie gesagt, auf Clickern und ggf. Spielzeugbelohnung setzen, wenn sie denn gerne spielt. Nutze das, was sie gerne mag zu deinem Vorteil. Ignoriere bestimmtes Fehlverhalten erstmal, wenn du weißt, dass du eh nicht gewinnst, ohne dass es zum Konflikt zwischen euch kommt. Wenn ihr euch später besser aufeinander eingespielt habt, und sie in dir eine verlässliche Führungsperson sieht, der sie vertrauensvoll (!) folgen kann und will, wird sich vieles von selbst ergeben.

Um bestimmte Dinge durchsetzen zu können, ohne ihr wieder Erfolgserlebnisse durch beißen zu verschaffen, würde ich sie in der Wohnung vorerst mit einer kurzen Leine an einem gut sitzenden Geschirr befestigt laufen lassen. So kannst du sie ggf. von der Couch holen, ohne dass sie es schafft dich dafür zu beißen. Runter"zerren" ist zwar kein Zeichen guter Rudelführung, hilft dir aber ungemein, deine Wünsche konsequent durchsetzen zu können - und Konsequenz wiederum hat viel mit guter Rudelführung zu tun.

Re
Danke für deine Antwort!

Das mit dem Klickern wurde mir in der Hundeschule auch schon, unabhängig von ihrem Verhalten, empfohlen und ich werde damit heute beginnen. So hab ich auch die Möglichkeit umgehend und während dem "zu-mir-kommen" zb zu reagieren.

Was meinst du damit, dass sie sich von mir bedrängt fühlen könnte?

Das mit dem Füttern aus der Hand soll ihr zeigen, dass sie auf mich angewiesen ist: "Man beißt nicht die Hand, die einen füttert"

Ich finde es schwierig bestimmtes Fehlverhalten von ihr zu ignorieren, was nicht heißt dass ich dir da nicht recht gebe. Aber was soll ich sonst machen, wenn sie Dinge zerbeißt die ich entweder noch brauche (Schuhe etc., ) oder die sie schlucken könnte (Tempos, Knöpfe...) Ich versuche solche Dinge außerhalb ihrer Reichweite aufzubewahren, aber immer lässt sich das auch nicht vermeiden. Auch wenn ich ihr erlaube sich auf meinem Bett oder der Couch rumzuwälzen, bstätige ich ihr doch nur dass sie tun u lassen kann was sie will, denke ich. Oder wenn sie Kabel anfrisst (auch schon vorgekommen!!) kann ich das ja nicht ignorieren. Gehe ich dann zu ihr, beißt sie mich. Ich versuche sie momentan dann einfach mit Hundeleberwurst wegzulocken, was ja aber keine Lösung sein kann.

Soll ich sie an der Leine den ganzen Tag lassen, in der Wohnung? Oder in bestimmten Situationen?
Und wie ist es mit meiner aufmerksamkeit?
Soll ich sie mehr oder weniger ignorieren. Oder darf ich sie streicheln?
Und nur wenn ich will oder auch wenn sie es von sich einfordert durch Stupsen etc?

Liebe Grüße

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8. August 2011 um 15:18
In Antwort auf esmi_12546993

Re
Danke für deine Antwort!

Das mit dem Klickern wurde mir in der Hundeschule auch schon, unabhängig von ihrem Verhalten, empfohlen und ich werde damit heute beginnen. So hab ich auch die Möglichkeit umgehend und während dem "zu-mir-kommen" zb zu reagieren.

Was meinst du damit, dass sie sich von mir bedrängt fühlen könnte?

Das mit dem Füttern aus der Hand soll ihr zeigen, dass sie auf mich angewiesen ist: "Man beißt nicht die Hand, die einen füttert"

Ich finde es schwierig bestimmtes Fehlverhalten von ihr zu ignorieren, was nicht heißt dass ich dir da nicht recht gebe. Aber was soll ich sonst machen, wenn sie Dinge zerbeißt die ich entweder noch brauche (Schuhe etc., ) oder die sie schlucken könnte (Tempos, Knöpfe...) Ich versuche solche Dinge außerhalb ihrer Reichweite aufzubewahren, aber immer lässt sich das auch nicht vermeiden. Auch wenn ich ihr erlaube sich auf meinem Bett oder der Couch rumzuwälzen, bstätige ich ihr doch nur dass sie tun u lassen kann was sie will, denke ich. Oder wenn sie Kabel anfrisst (auch schon vorgekommen!!) kann ich das ja nicht ignorieren. Gehe ich dann zu ihr, beißt sie mich. Ich versuche sie momentan dann einfach mit Hundeleberwurst wegzulocken, was ja aber keine Lösung sein kann.

Soll ich sie an der Leine den ganzen Tag lassen, in der Wohnung? Oder in bestimmten Situationen?
Und wie ist es mit meiner aufmerksamkeit?
Soll ich sie mehr oder weniger ignorieren. Oder darf ich sie streicheln?
Und nur wenn ich will oder auch wenn sie es von sich einfordert durch Stupsen etc?

Liebe Grüße

Hmmm
ich kann nur aus meiner eigenen Erfahrung mit einer Hündin berichten, die knurrend ihre Plätze, ihr Futter, ihre Ruhe, ihren Körper,... verteidigt hat. Ihre Motivation war aber nicht "Dominanz", sondern ganz einfach nur Angst. Sie hatte gelernt, dass Menschen ihre Sprache eh nicht verstehen, wenn sie nicht furchtbar deutlich (knurren, beißen) wird. Als sie zu mir kam, war das Verhalten so gefestigt, dass man von der Angst nicht mehr viel gesehen hat - man sah einfach nur noch den Hund, der bei jeder Kleinigkeit ein riesiges Getöse machte.
Wenn man bei ihr versuchte, durch körperliche Übermacht zu "gewinnen", bestätigte man sie nur in ihrer Einschätzung von Menschen denen es egal ist, was sie möchte und was sie ausdrückt. Durch aktiven Einsatz von Beschwichtigungssignalen (so gut diese einem Menschen möglich sind) und starker Beachtung ihrer kleineren Signale (Züngeln, Ohren anlegen, ...) hat sie langsam mehr Vertrauen gewonnen. Nach einiger Zeit durfte ich sogar mit ihr auf einer Decke sitzen, wenn sie etwas zu knabbern hatte, und die Knabbereien zwischendurch nehmen. Sie hatte gelernt, dass sie mir vertrauen konnte. Auch konnte ich mich zu ihr auf ihre Plätze setzen. Was gar nicht ging, war eine "bedrohliche Haltung" (z.B. sie direkt fixieren und dabei über sie gebeugt stehen, oder eine laute grobe Sprechweise zu ihr), dann ging sie sofort wieder in die Offensive.

Es ist nur leider schwer möglich, über geschriebene Texte in einem Forum sicher festzustellen, ob dein Hund einfach unerzogen ist, und einfach zu oft mit dreistem Verhalten Erfolg hatte, oder ob bei ihr eine ähnliche Unsicherheit wie damals bei meiner Hündin zugrunde liegt. Je nachdem würde ich komplett unterschiedlich rangehen, um diese Situation anzugehen.

Ich würde sie den ganzen Tag in der Wohnung an der kurzen, schleifenden Leine laufen lassen, um eben wenn nötig auf sie einwirken zu können, ohne dich selbst zu gefährden und ihr damit wieder den Erfolg zu verschaffen, dass sie dich mit ihrem aggressiven Verhalten beeindruckt.

Mit dem Clicker kannst du weit mehr schaffen als sie z.B. beim rankommen zu bestätigen. Du kannst damit bewirken, dass sie Verhalten das du von ihr sehen möchtest, aktiv ausführen WILL - weil es sich für sie lohnt. Ein Hund ist normalerweise nicht auf Krawall aus. Es sind soziale Tiere die von Natur her darauf aus sind, Konflikte zu vermeiden. Es muss schon wirklich etwas arg schief laufen bzw. gelaufen sein, um einen Hund zum "Tyrannen" zu machen. Bei meiner Hündin war es menschliche Rücksichtslosigkeit, die sie zur Furie gemacht hatte, und es war erst Einfühlungsvermögen und Verständnis (von Hundesprache und ihrem Wesen), das eine Wendung ermöglichte. Ein Hund wird den Weg nehmen, der Erfolg bringt - und wenn dieser Weg für den Hund positiv ist, dann wird er ihn umso lieber nehmen.

Du sollst deinen Hund gar nicht ignorieren wenn es nicht sein muss, Absolute Nichtbeachtung ist eine Höchststrafe für das soziale Wesen Hund. Du sollst aber auch nicht auf jede Kleinigkeit die dein Hund macht, reagieren. Sie soll ja schließlich lernen *dich* im Blick zu haben - und nicht umgekehrt. Frisst sie Kabel an, hol sie da weg und gib ihr eine Alternative - und dann belohne das Annehmen der Alternative. Pack deine Kabel wie bei einem Welpen in Kabelsammler, lass nichts mehr rumliegen, schließe die Schlafzimmertür. Kurzum: Mach dein Haus "welpensicher", auch wenn sie inzwischen ein Junghund ist.
Ignoriere ansonsten Verhalten das nicht deine Einrichtung oder den Hund unmittelbar gefährdet - denn auch Strafe ist eine Form von Aufmerksamkeit, und manche Hunde nehmen lieber das in Kauf als gar nicht beachtet zu werden. Wenn sie hartnäckig darauf besteht, nicht erlaubte Dinge anzufressen, würde ich sie ohne großes Trara auf ihrem Platz anbinden oder für einen Moment vor die Tür setzen, bis sie sich beruhigt hat. Normalweise braucht es nicht viele solcher "Lektionen", bis ein Hund gelernt hat: "Das lohnt sich wirklich nicht für mich".
Auf der anderen Seite solltest du nicht mit Lob und Aufmerksamkeit geizen, wenn sie etwas nimmt, was du gut findest (Kauspielzeug oder so).
In solchen Momenten kannst du mit ihr gleich das "Tauschen" üben - wer etwas hergibt, bekommt etwas noch viel tolleres UND das hergegebene Ding zurück.

Benutze deine Aufmerksamkeit als Belohnung. Macht sie etwas nicht erwünschtes, führe sie wortlos (vielleicht noch ein kurzes "nein", aber mehr nicht) von dort weg und sorge dafür, dass sie nicht sofort dorthin zurückkehren kann.

Kommt sie denn oft bei dir an, und will auf ein Anstupsen hin gestreichelt werden? Wenn du deinen Hund streicheln willst, dann streichele sie. Aber streichele sie nicht, wenn sie ihre Ruhe haben möchte - sie hat auch ein Recht auf Rückzug. Und gleiches gilt für dich, denn nicht jeder will immer Kontakt haben, weder Hunde noch Menschen - kommt sie bei dir an und du willst deine Ruhe haben, zeig ihr, dass du keinen Kontakt wünschst. Meine Hunde haben verschiedene Arten sich mir zu nähern. Sie können z.B. auf die "Duuuuuu-huuuu, mir ist ja sooooo langweilig, mach was mit uns"-Art ("Pfötel, Wedel, Stups") ankommen, sie können aber auch einfach zu mir kommen, und sich neben mich setzen oder legen, und so Körperkontakt aufnehmen. Nr. 1 der Annährung wird je nach Situation eher nicht zum Erfolg führen, auf Nr. 2 wird durchaus mit Streicheln reagiert.

Konsequenz ist wirklich das Zauberwort, nur haben Hunde meist viel mehr Durchhaltevermögen als Menschen. Mach dir eine Liste der Dinge, die du bei deinem Hund wirklich gar nicht mehr sehen möchtest, und dann bleibe konsequent bei deinen Regeln. Keine Ausnahmen - nie.

Anderer Lesetipp: Turid Rugaas: Calming Signals. Ohne die wäre ich bei der angstaggressiven Hündin nie weiter gekommen.

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