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Hund hört nur auf meinen Freund

9. Januar 2010 um 17:06 Letzte Antwort: 25. Januar 2010 um 14:01

Hallo,

ich habe o.g. Problem, bei dem ich sehr dankbar wäre, wenn mir jemand einen guten Rat geben könnte, da ich irgendwie grade auf dem Schlauch stehe. Zuvor aber was zu den Hintergründen:

Mein Freund und ich haben vor ca. 6 Wochen einen kleinen Hund (Dackel-Cocker-Jack-Russel-Mix angeblich, sieht aber eher aus, wie ein Border-Collie im Dackelformat in schwarz) aus dem Tierheim geholt.
Sally ist 3 Jahre alt, eine Hündin (wie der Name schon sagt) und wuchs zusammen mit ihrem Vater bei einer Frau auf, die wohl gehbehindert war oder wurde (weswegen sie die Hunde dann letztendlich auch abgeben musste). Vermutlich auch aus diesem Grund kennt Sally das Alleinsein nicht, denn die Frau war wohl viel Zuhause und zudem war ja noch der Hunde-Vater immer mit Sally zusammen. (Die beiden wurden im Tierheim getrennt, weil Sally noch unkastriert und läufig war und sich die beiden zudem als Beller gegenseitig aufgestachelt haben, so dass sie zusammen schwer vermittelbar waren. Es war auch ausdrücklicher Wunsch des Tierheims, die beiden nun getrennt zu lassen).
Sally ist ein ziemlich unterwürfiger Hund (vermutlich vom Vater gut "erzogen" als rangniedriger Hund), gleichzeitig hat sie aber auch was dackelhaft "Stures" und von Anfang an hatten wir das Gefühl, dass sie zwar immer weiß, was wir von ihr wollen (also die Kommandos im Grunde versteht), aber manchmal einfach keiine Lust hat, sie auszuführen.

Ganz zu Anfang hat Sally meinem Freund und mir auch gleichermaßen gehorcht bzw. eben NICHT gehorcht und war bei uns beiden gleich anhänglich.
Allerdings kann mein Freund sie besser zur Arbeit mitnehmen (er hat ne eigene Firma), während sie nur dann bei mir blieb, wenn ich zuhause war, was aber nicht so häufig der Fall ist (ich bin selbständig und arbeite etwas unregelmäßig). Also hatte sie hier natürlich bald eine etwas stärkere Bindung an ihn.
Dazu kommt, dass mein Freund sozusagen der typische "Leitwolf" ist: an Sachen rangehend, von sich überzeugt und dominant im Auftreten. Zudem hatte er in seiner Kindheit immer Hunde.
Ich dagegen bin leichter zu verunsichern und habe auch keinerlei Erfahrung mit Hunden (wollte aber unbedingt immer einen haben).
Daher hat sich ziemlich schnell herauskristallisiert, dass Sally eher bereit ist auf meinen Freund zu hören als auf mich. Auch wenn wir beide mit dem Hund zusammen waren, gab meistens er die Kommandos, bzw. manchmal, wenn ich ein Kommando gegeben habe, und sie nicht darauf hörte, hat er auch dann einfach das entsprechende Kommando nochmal gegeben, worauf sie dann natürlich hörte.
Ich habe das ziemlich schnell auch als Problem erkannt und ihn gebeten, mich in meiner Rolle als "Auch-Rudelführer" zu unterstützen, wovon er nun behauptet, er hätte das gemacht, ich jedoch bin andrer Ansicht und habe das Gefühl, dass er ganz gerne das Ober-Leittier ist. (Wie man heraushören kann, haben wir uns darüber auch schon gestritten.)
Noch dazu ist Sally (s.o.) wahnsinnig anhänglich, ebenfalls zuerst an uns beide, aber zunehmend immer mehr nur auf ihn bezogen.
Über Weihnachten waren wir eine Woche getrennt unterwegs, jeweils bei Familie und da in meiner Familie Hunde nicht besonders beliebt sind, in seiner Familie aber ein weiterer Hund vorhanden ist und alle demensprechend hundfreundlich, kam der Hund eben auch hier mit meinem Freund mit.
Seit wir nun wieder zurück sind, hat sich die Lage dramatisch verschärft. Neulich wollte ich mit Sally alleine rausgehen (Mein freund war zuhause), und sie blieb alle 3 Meter stur sitzen und ließ sich nur durch Zerren zum Weiterkommen überreden. Von der Leine lassen konnte ich sie dann auch nicht, weil sie mit Sicherheit sofort zurückgerannt wäre, also musste ich das Ganze ziemlich bald abbrechen (auch weil ich merkte, wie ich aggressiv auf dem Hund wurde, was ich natürlich doof find und vermeiden wollte).
Wenn ich jetzt mit dem Hund zuhause bin, wartet er quasi, bis mein Freund wieder da ist (traurige Augen, Blick zur Tür, Jammern), um ihn dann zu begrüßen als wäre er Monate weg gewesen. (Früher war das so, sobald EINER von uns wegging, aber nach ein paar Minuten war sie dann mit dem jeweils anderen glücklich).
Wie man vielleicht raushört, bin ich ziemlich frustriert und ich finde mich auch selbst dumm, weil es ja irgendwie auch so eine Art Eifersucht ist, die da mit reinspielt, andrerseits weiß ich nun gar nicht, wie ich mit dem Hund umgehen soll, da ich es auch einfach ermüdend finde, wenn ich weiß, dass sie eh nicht auf mich hört, bzw. ihr das spazierengehen mit mir keinen Spaß macht ect.

Noch dazu streite ich mich nun mit meinem Freund darüber, der findet "ich sollte damit kein Problem haben" (was ich auch weiß, aber nunmal habe), weil er einfach nicht versteht, dass ich jetzt erst recht unsicher bin (naja, eben einfach kein Leittier, wie es scheint... (
Aber Bessern muss sich das Ganze auf jeden Fall!!!

Würde mich supersuper freuen über Tipps und eigene Erfahrungen !!!

Danke

Finchen

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10. Januar 2010 um 4:47

...
Nu steck mal net gleich den Kopf in den Sand. Zum einen solltest du wissen, dass ein Hund meist nur einen als seine Bezugsperson sieht. Das Rudeldenken lass mal weg. Ihr seid kein Rudel! Der Hund ist dir unterstellt, dass weiss er auch, aber er steht nunmal dichter zu deinem Freund. Grundsätzlich solltest du das ganze erst einmal mit deinem Freund aushandeln. Ihr seid euch ja irgendwie net wirklich einig.
Wechselt euch in regelmässigkeit ab. Macht einen Zeitpunkt, an dem nur du mit dem Hund Gassi gehst. Wenn es nicht gelingt, darf dein Freund sie aber auch nicht rausbringen. Sie muss warten. Wenn der Hund deinen Ansagen net folgt, darf sich dein Freund unter gar keinen Umständen einmischen oder anschliessen. Auch nicht, wenn sie macht, was du sagst. Das Lob kommt dann ausschliesslich von dir. Versuchst mal über die Fütterung. Nur du darfst ihr etwas geben. Vielleicht knüpft sie ganz schnell wieder an.
VLG

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10. Januar 2010 um 18:14

An die drei Ratgeber
Vielen Dank für Eure Tipps und vor allem für die Einschätzung der Lage und fürs Mutmachen.!!!!
Das mit der Sicherheit stimmt wohl: Habe auch schon beobachtet, dass Sally anfangs wenn sie mit mir alleine raus war, häufig viel besser mit mir "kooperiert" hat, nachdem wir andere Hunde getroffen hatten, mit denen sie nicht recht wusste wie umgehen. (in zwei-drei Situationen). Scheints hat sie da dann in mir was gesehen, dass sie vor diesen Hunden beschützt. ... ? Muss ich nun hoffen, dass wir möglichst vielen Hunden begegnen, vor denen sie Angst hat ??
Was mir noch eingefallen ist: neulich habe ich mich während des Spazierengehens mit meinem Freund gestritten und bin irgendwann aus Wut einfach weggegangen... Vielleicht auch nicht grade eine vertrauensbildende Maßnahme?? Da muss ja der Eindruck entstehen, im Zweifel würd ich Mann und Hund (also der Mann kann damit ja leben und wusste ja auch was los war) einfach stehen lassen... Mh. Wie dumm von mir!!

Den Buchtipp finde ich super!! Wurde uns auch schon von anderen empfohlen und ich hab gestern damit begonnen, bin aber noch nicht weit. Aber es scheint ja sehr viel genau um sowas zu gehen: Was WIR eigentlich dem Hund vermitteln, ohne es zu wissen... Und da kann ich mir auch vorstellen, dass ich eher verwirrend und unklar bin, manchmal. (Auch "Primaten" behaupten das hin und wieder von mir...) Naja, gute Übung...

Die Tipps werde ich alle nach Möglichkeit beherzigen. Füttern, Fell bürsten, viel Zeit mit ihr verbringen, und vor allem auch viel ALLEINE mit ihr sein hört sich alles super an.
Das mit dem Spielen ist leider ein Problem, da sie das so überhaupt nicht macht: Weder mit anderen Hunden, noch hat sie Lust irgendwie einem Stöckchen oder Ball hinterherzulaufen (und wenn dann nur für 2-3 Minuten).
Finde ich auch erstaunlich, dass das so ist. Könnte es eventuell daran liegen, dass sie mit ihrem Vater aufgewachsen ist, und er zu dominant war, um mit ihr zu spielen??
Aber ich denke, allein über Futter geht viel: wenn sie checkt, dass ICH sie auch ernähren kann. Und dann klappts vielleicht auch wieder mit Spazierengehen, was ich grad was schwierig finde.
Hoffe, das ist noch nicht alles zu spät (mit so ner Aktion wie oben erzählt und so..), aber mein Freund fährt bald auch ne Woche weg (ohne Hund), da kann ich dann vielleicht ein bisschen aufholen (oder es wird die totale Katastrophe).

Also: nochmal vielen Dank für alle tollen Tipps und ich werde über Fortschritte berichten.

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25. Januar 2010 um 14:01

Hallo Tierfreund
Muss sagen, es ist schon um einiges besser geworden! Sie ist jetzt viel bei mir, weil ich zurzeit mehr zuhause bin als mein Freund, und obwohl sie immer noch tierisch auf ihn fixiert ist (wenn er da ist, ist die Welt erst wieder völlig in Ordnung), läuft es doch trotzdem zwischen uns beiden sehr gut.
Also sie hört total gut auf mich beim Spazierengehen, hin und wieder habe ich sogar das Gefühl, sie hat echt Spaß ... schreibe "hin und wieder" weil sie eben oft auf meine Spielversuche eher reagiert wie "was willst Du denn von mir??"

Aber das ist ja auch o.k. Glaube, sie liebt mich schon auch, irgendwie anders als ihn... Gehe da jetzt etwas entspannter ran, seit die Grundbeziehung wieder stimmt.
Was sicher auch Folge Eurer und Deiner beruhigenden Worte ist...

Ich habe sie jedenfalls immer lieber.
Die Woche ohne meinen Freund kommt erst noch: die Daten haben sich verschoben.
Bin immer noch sehr gespannt, ob sie dann eine Woche durchgehend leidet, oder obs irgendwann o.k. ist...

Werde wieder berichten!

Liebe Grüße
Finchen

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