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Großes problem

9. November 2013 um 22:52 Letzte Antwort: 27. November 2013 um 23:27

hallo leute,

ich habe folgendes problem.
und zwar habe ich seit einer woche ein pflegepony 19 jahre welches seit 10 Jahren nur noch als Rasenmäher benutzt wurde und daraus erstreckt sich auch schon mein problem. ich hole das pony von der Koppel was gut funktioniert und wir machen was zusammen, bzw lässt es sich u.a. nicht die hinterhufe hochnehmen (laut besitzer hatte er wohl schlechte erfahrungen mit dem schmied) und das versuche ich zu korrigieren was auch schon gut klappt kurzzeitig. Als Belohnung bekommt er ein leckerli und zum abschluss lass ich ihn an der hand grasen und dabei findet er kein ende : er lässt sich nichtmal mehr auf die koppel zurückbringen. Bin echt verzweifelt er bleibt stur stehen bewegt sich keinen Meter weiter. Hatte es mal mit der gerte (sanft antippen) versucht nix da er hatte versucht zu beißen und ist sogar noch gestiegen weil ich ihn dann nicht weiter fressen lassen habe.
bin die ganze zeit am überlegen was ich falsch mache, aber so ist er total lieb.

wäre super wenn mir jemand helfen kann ist wirklich dringend.

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14. November 2013 um 1:50

Freches Pony
Das Verhalten deines Pflegeponys ist vollkommen normal. Es fehlt an Respekt und Beschäftigung. Das Pony beschäftigt sich eben damit, was natürlich für Pferde ist.
Du wirst von dem Pony als Mittel zum Zweck genutzt und dafür erträgt es eben auch kurzzeitig Dinge wie Hufeauskratzen, wenn die Belohnung stimmt und die ganze Sache nicht zu lange dauert.
Nach deiner Beschreibung bin ich mir sicher, dass das Pony auch wegrennen würde, wenn es sich beim Grasen an der Hand erschreckt. Es würde nicht deine Nähe suchen und zu dir kommen.

Abhilfe ist leider nicht sofort zu erreichen, sondern erfordert viel Arbeit, Zeit und Wissen über Pferde. Vor allen Dingen darf die Arbeit - sie man damit anfängt - nicht aufhören, weil das beschriebene Problem erledigt ist!
Mit dem Pony werden Bodenarbeit und Beschäftigung helfen.
Die Bodenarbeit sollte jedoch aufbauend so gestaltet sein, dass das Pferd Respekt lernt, Vertrauen aufbaut und seine Konzentrationszeit auf den Menschen erhöht. Zusätzlich kann man dann noch am Körpergefühl und Gleichgewicht des Ponys arbeiten, was gleichzeitig wieder eine Vertrauensübung ist.
Ich beschreibe dir jetzt extra keine Übungen, da ich nicht weiß, ob du wirklich zeitlich in der Lage und Willens bist, dir die Zeit zu nehmen und so etwas durchzuziehen.
Wenn du das Problem auf diese Art lösen möchtest - Zusammenwachsen mit einem Pferd macht Spaß - brauche ich mehr Infos über dein Vorwissen, dein Können und deinen Zeitrahmen.

LG
NantjeTam

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16. November 2013 um 9:57

Danke
erstmal für deine Antwort.
Ja klar hab ich schon Lust mit dem Pony an den Problemen zu arbeiten
Erstmal etwas zu mir, hatte mit 14 mein erstes Pflegepony mit meiner Schwester zusammen das war ein shettlandpony und roh aber total lieb. Bei dem habe ich das erste mal das Longieren kennen gelernt, das satteln usw naja die Grundkenntnisse von dem Besitzer. Nachdem das verkauft wurde hatte mir mein vater einen shettandponywallach gekauft und da habe ich das kutsche fahren gelernt und das reiten aber nicht reitschulmäßig sondern eher freizeitmäßig locker. Bin dann ausgezogen mit 19jahren und hatte dann eigendlich so gut wie gar kein kontakt mehr zum pony bzw nur an den wochenenden.
Mein wallach ist leider vor 2 jahren gestorben und hatte dann wo ich jetzt war zusätzlich 2 Jahre eine reitbeteiligung auf einem Haflinger. Da habe ich dann erkannt das man mit ponys auch spazieren gehen kann was auch mit das vertrauen stärkt, bodenarbeit, stangenarbeit, arbeit im Roundpen und auch nur das freizeitmäßige reiten.
Der Haflinger hatte dann aber einen sehnenschaden worauf ich nicht mehr gebraucht wurde bzw die besitzerin alleine weiter machen wollte. Nun hab ich den welch cop wallach und naja ich möchte schon aber hab das gefühl mein wissen reicht nicht aus was mich traurig macht irgendwie
Bzw hatte ich nie von vorne beginnen müssen. Oder werde ich vielleicht nur verarscht von Moritz???

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17. November 2013 um 13:46

Hallo
habe jetzt erstmal mit den hufe heben weiter gemacht und ich denke was das Gleichgewicht angeht hat glaube nantje recht vorne geht schon ziemlich lange nur hinten sind es maximal 5 Sekunden die er halten kann und das auch nur mit Belohnung und pause.
Danach scheint es als würde er zur Seite umkippen und sein Darm meldet sich. Hebe sie hinten nur zum Bauch hin hoch weil Pferde dann das Gleichgewicht besser halten können sagte man mir. Da er laut Besitzer den schmied nicht ran lässt der aber ganz ganz dringend kommen muss (er läuft hinten und vorne fast auf den Fesseln ) dachte ich es wäre erstmal das wichtigste da anzufangen. Habe mir auch schon überlegt ob er deswegen so schlecht läuft, bzw das er sich deswegen so ungerne bewegt? Gestiegen ist er seitdem nicht mehr (war auch nur das eine mal ) Habt ihr vielleicht ein paar Tipps mir bei ihm Respekt und vorallem vertrauen zu erarbeiten? Er tut mir so leid
Gut das er sich nicht Schubern darf an mir,mich nicht beißen, treten, umrennen, betteln soll weiß ich und unterbinde ich auch. Aber gibt es vielleicht noch was anderes was vorerst nicht viel mit laufen zu tun hat? Ich habe nämlich echt Interesse an dem Tier vor allem ihm zu helfen.

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17. November 2013 um 23:00

Von vorn beginnen?
Hallo Sabrinas, du musst keinesfalls von vorn beginnen. Das muss man in den allerseltensten Fällen.
Annähern, Aufhalftern etc. beherrscht Moritz ja schon. Von vorn beginnen müssen nur Leute, die das Problem nicht genau identifizieren können und daher einfach alles wieder aufrollen.
Pferde haben ein hervorragendes Gedächtnis. Wenn du einmal herausgefunden hast, wo der Knackpunkt bei Moritz liegt, wo genau er sein Problem hat, kannst du exakt an diesem Punkt beginnen. Das Problem des Pferdes liegt meist nicht an dem, was offensichtlich schief läuft (kein Hufegeben, Widersetzlichkeit), sondern einige Schritte vorher.
Wenn du also schon von Anfang an anders reagierst als zuvor reagiert wurde, schaffst du neue Bedingungen.
Auch gut korrigierte Pferde fallen schnell an alte Muster zurück, wenn die Situation plötzlich wieder die Alte ist. Daher sollte sich am Knackpunkt des Fehlers die Grundsituation ändern und du musst die Vorbedingungen ändern.
Ich habe schon viele sehr viel schwierigere Pferde trainiert.
Vor gut 8 Jahren habe ich mich auf angeblich unreitbare und bösartige Pferde sowie Jungpferde spezialisiert.
Daher kann ich dir aus Erfahrung sagen, dass 50% der angeblich widersitzlichen Pferde ein Kommunikationsproblem haben, 40% aufgrund Misshandlung und falschem Training falsche Erfahrungen gemacht haben und nur gelernt haben sich so zu schützen und nur 10% der Pferde ein genetisch angelegtes Agressionspotential haben und daher wirklich schwierig sind. Schwierig bedeutet dann eher, dass der Mensch umso disziplinierter sein muss.
In meinen Kursen habe ich 90% brave Pferde mit Kommunikationsproblemen.



Erst einmal musst du für das Pferd immer berechenbar sein. Das Pferd muss wissen, wo es bei dir dran ist - und zwar immer. Das bedeutet, dass du immer die gleichen Kommandos für immer die gleiche Tätigkeit gibst.
Dann musst du mit dem Pony in einer Art und Weise sprechen, die es versteht. Die meisten Leute sprechen körpersprachlich anders als handlungstechnisch. So etwas verwirrt Pferde und lässt viel Raum für kleine Frechheiten, die sich dann zu Widersetzlichkeiten ausbauen.
Ein Pferd muss wissen, dass es auch unangenehme Dinge ertragen muss. So grausam das erstmal klingt, aber in letzter Konsequenz darf ich meinem Pferd Schmerzen zufügen, die es ertragen muss.
Ich möchte keinesfalls, dass mir mein Pferd gleich nach dem Leben trachtet, wenn ich es mal verarzten muss (beispielsweise eine Wunde versorge, ein Hufgeschwür ausgeschnitten werden muss oder ich ein Pferd aus einer Situation -beispielsweise verheddert im Führstrick, Decke oder Zaun- befreien muss).
Einem wohlerzogenen Pferd, kann ich so manche Nasenbremse, Sedierung (gerade wichtig bei älteren Pferden und Pferden mit Kreislaufproblemen) oder Verletzung ersparen, wenn es vertraut und auch mal erträgt.
Moritz erträgt leider nichtmal das Hufehochheben hinten, da er lt. deiner Aussage hinten schlimme Hufe hat, tun ihm diese wohl auch weh. Zudem hat er Gleichgewichtsprobleme und möchte sich auch nicht damit auseinandersetzen.

Wenn du die Hinterhufe hochhebst, achte darauf, den Huf anzufassen und abzukippen. Zieh das Bein nicht weit weg vom Körper. Einfach das Pferd das Bein anheben lassen und den Huf abkippen. Das ist anfangs die sicherste Methode. Wenn er trotzdem treten sollte, nimm erstmal ein Seil und lass ihn schaukeln.
Das Leben anschließend sollte zwar nie fehlen, aber sich auf ein kurzes Lob beschränken. Er hat ja nur einen Huf hochgenommen und nicht gerade die WM gewonnen.

Körpersprachlich solltest du sehr genaue Signale geben. Erst einmal sollte Moritz dich nicht umrennen, drängeln oder aufdringlich werden.
Grundsätzlich gilt, wo du stehen möchtest, hat er nicht zu stehen. Er sollte einen höflichen Abstand zu dir halten, der bei einer guten Beziehen recht eng sein darf. Er soll ja nicht vor dir flüchten, wenn du das nicht gerade wünschst.

Stell dich ganz einfach dicht an seine Seite und tippe ihn ganz sanft mit dem Finger an. Dabei machst du dich groß und spannst den Körper an. Weicht er nicht, lässt du deinen Körper gegen ihn fallen und schubst ihn um.
Ein neutrales Pferd wird sich wundern und nach 1-3 Mal schon auf Tippen und Körperspannung 1-2 Schritte Platz machen.
Ein dominantes Pferd wird gegenhalten und muss mehr geschubst werden. Bei solchen Pferden solltest du beim Schubsen auch den Kopf ruckartig hochwerfen (als wolltest du ihn anprollen - ey ich will hier hin, verschwinde).
Ein sehr dominantes Pferd wird versuchen dich in den Oberschenkel zu beißen. Sei also auf alles gefasst.
Beißt das Pferd nach dir - werde zur Furie. Schlag ihn nicht sondern kneif ihn hinter das Vorderbein, schrei ihn kurz an und bedroh ihn durch dominantes Auftreten. Keinesfalls darf man dann nach dem Kopf schlagen.

Das Pferd soll dann an der Longe lernen, dich zu beachten.
Longiere ihn (am Besten am Knotenhalfter). Dabei lässt du die hintere Schulter vorn. Treib ihn mit dem Ende der Longe. Dieses Ende wird geworfen. Dein Kopf ist oben.
Dann blick zu Boden und nimm eine lockere Körperhaltung ein, er soll dann zu dir kommen. Zieh ihn also zu dir heran. Er soll dann vor dir stehen bleiben (nicht dich umrennen). Erst wenn er steht, wird er gelobt. Dreh dich dann auf der Stelle (keinesfalls einen Schritt zurück, nichtmal einen halben) und treibe ihn von dir weg - entweder in die gleiche Richtung oder mit Richtungswechsel. Er hat in einem höflichen Bogen um dich herumzugehen. Weiche nicht zurück, sondern lehn deinen Oberkörper -wenn du unsicher bist- lieber ein wenig vor.
Diese Übung kann man nicht oft genug machen. Das Pferd lernt, dich jederzeit wahrzunehmen und im Blick zu halten - auch wenn er nach außen schaut, hat er dich mit einem Auge im Blick zu halten.
Moritz soll sich also auf dich konzentrieren.

Nach und nach kann man mit dieser Übung spielen und das Pferd mit der Zeit körpersprachlich aus jeder Gangart Handwechsel machen lassen oder zu sich holen.

Die Übung erhöht die Konzentrationszeit und stärkt das Vertrauen, denn das Pferd wird immer dann zu sich gehole, wenn es sich entweder für andere Dinge interessiert oder auch erschreckt. Es lernt, dass du der ruhige Pol bist.

Gehen und Stehen
Führe Moritz. Er darf dich mit dem Kopf nicht überholen, sonst schick ihn zurück. Niemals am Strick ziehen, sondern an der Brust zurückschicken. Bei sturen Pferden kann man auch schonmal mit dem Rest der aufgewickelten Longe an der Hand an die Brust klatschen. Niemals dem Pferd weh tun, immer nur bedrohen. Je bedrohlicher die Situation aussieht, je wirkungsvoller ist sie. Je mehr sie weh tut (Schlag mit Gerte oder Strickende), je mehr wird das Vertrauen geschädigt und das Pferd wird unfreundlich und evtl. hektisch - es funktioniert dann aus Angst vor Schmerz und nicht weil es deine Sprache versteht. Pferde arbeiten über Drohgebärden, wirkliche Schmerzen (Tritte und Bisse) kommen erst nach mehreren Drohgebärden und meist nachdem der Rangniedere gejagt wurde.

Wenn du von Liebsein und Lob direkt auf 'ich füge dir Schmerz zu' umschwenkst, wird das Pferd dieses nicht verstehen.

So, jetzt zur eigentlichen Übung.
Du führst Moritz also. Immer wenn er dich überholen will, änderst du die Richtung. Am Besten gleich entgegengesetzt. Der Strick ist immer gleichlang und auch dein Tempo ändert sich nicht. Er wird sehr schnell lernen, dass es keinen Sinn hat, in eigene Richtungen abzuweichen.
Wenn er dieses beherrscht und sich nach dir richtet, wenn du ihn führst, solltest du ihn hinstellen. Er bekommt das klare Kommando (Steh, Halt oder Sahnebonbon oder was immer du dafür nimmst).
Mach dich nun direkt vor ihm groß, bau Körperspannung auf und nimm das Kinn hoch. Geh in dieser Haltung rückwärts. Folgt er dir geh bedrohlich auf ihn zu. Weicht er nicht zurück, renn ruhig auf ihn zu, jag ihn zurück - aber nur körpersprachlich, ohne Worte, ohne Hektik.
Bedroh ihn.
Wenn er stehen bleibt aber dich nicht anschaut schaukel mit der Longe, bis er dich anschaut.
Er soll stehen und dich anschauen, während du auf Longenlänge von ihm rückwärts weggehst. Dann steht euch einfach gegenüber.
Dann veränder deine Körperhaltung indem du dich entspannst, auf den Boden schaust (ihn anschielen), und dich ganz leicht seitlich drehst. Er soll dann zu dir kommen, also hol die Longe in einer fließenden Bewegung ein.
Auch diese Übung kann man nicht oft genug machen. Sie erhöht wieder die Konzentration auf dich, stärkt die Bindung zwischen euch und erhöht deine Dominanz. Du bist sein ruhiger Pol, er darf zu dir kommen und muss von dir weg bleiben, was er nicht gern hat - er muss dich ja fixieren. Er wird lieber entspannt bei dir stehen als von dir weg in höchtst Konzentration, bis er zu dir darf und sich entspannen darf.

Die nächsten Übung erfordern etwas Geschick und Vorarbeit. Die vorherigen Übungen sollten aus dem FF klappen. Euer Verhältnis sollte jetzt soweit sein, dass er aufmerksam ist und sich gern nach dir richtet. Mit diesen Übungen verbesserst du dann den Zügelgehorsam (Führgehorsam beim Grasen etc. - er wird sich nicht mehr selbständig machen, auch nicht bei Gefahr) und das Körpergefühl und Gleichgewicht des Pferdes.

Bevor ich mir jedoch die Finger wund schreibe, möchte ich natürlich wissen, ob du bisher meine Ausführungen verstanden hast und überhaupt so arbeiten willst.
Wenn ja, kannst du ja schonmal beginnen und mir dann schreiben wie er sich anstellt und was für Erfahrungen du mit den Übungen hast.

LG
Nantje



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19. November 2013 um 16:24

Hallo
nantje,
also wie du mit den pferden umgehst bzw arbeitest gefällt mir wirklich sehr und so habe ich es mir vorgestellt auch mit Moritz so umzugehen
Klar möchte ich so mit Moritz arbeiten. Magst du mal meine Mailadresse haben? Dann würde ich mich echt freuen mehr tipps von dir zu bekommen

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23. November 2013 um 0:21

Dein Pflegepony
Ich habe dir meine Mailadresse geschickt.

Du musst dir nur im Klaren sein, dass eine Ferndiagnose niemals einen persönlichen Kontakt ersetzen kann.
Oft sind es absolute Kleinigkeiten in der Körpersprache und im Verhalten, die den Unterschied machen.
Wir können das ja mal versuchen, nur versprich dir nicht allzuviel davon. Die Sache kann auch den Bach runtergehen.

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24. November 2013 um 20:55
In Antwort auf ciline_12346956

Von vorn beginnen?
Hallo Sabrinas, du musst keinesfalls von vorn beginnen. Das muss man in den allerseltensten Fällen.
Annähern, Aufhalftern etc. beherrscht Moritz ja schon. Von vorn beginnen müssen nur Leute, die das Problem nicht genau identifizieren können und daher einfach alles wieder aufrollen.
Pferde haben ein hervorragendes Gedächtnis. Wenn du einmal herausgefunden hast, wo der Knackpunkt bei Moritz liegt, wo genau er sein Problem hat, kannst du exakt an diesem Punkt beginnen. Das Problem des Pferdes liegt meist nicht an dem, was offensichtlich schief läuft (kein Hufegeben, Widersetzlichkeit), sondern einige Schritte vorher.
Wenn du also schon von Anfang an anders reagierst als zuvor reagiert wurde, schaffst du neue Bedingungen.
Auch gut korrigierte Pferde fallen schnell an alte Muster zurück, wenn die Situation plötzlich wieder die Alte ist. Daher sollte sich am Knackpunkt des Fehlers die Grundsituation ändern und du musst die Vorbedingungen ändern.
Ich habe schon viele sehr viel schwierigere Pferde trainiert.
Vor gut 8 Jahren habe ich mich auf angeblich unreitbare und bösartige Pferde sowie Jungpferde spezialisiert.
Daher kann ich dir aus Erfahrung sagen, dass 50% der angeblich widersitzlichen Pferde ein Kommunikationsproblem haben, 40% aufgrund Misshandlung und falschem Training falsche Erfahrungen gemacht haben und nur gelernt haben sich so zu schützen und nur 10% der Pferde ein genetisch angelegtes Agressionspotential haben und daher wirklich schwierig sind. Schwierig bedeutet dann eher, dass der Mensch umso disziplinierter sein muss.
In meinen Kursen habe ich 90% brave Pferde mit Kommunikationsproblemen.



Erst einmal musst du für das Pferd immer berechenbar sein. Das Pferd muss wissen, wo es bei dir dran ist - und zwar immer. Das bedeutet, dass du immer die gleichen Kommandos für immer die gleiche Tätigkeit gibst.
Dann musst du mit dem Pony in einer Art und Weise sprechen, die es versteht. Die meisten Leute sprechen körpersprachlich anders als handlungstechnisch. So etwas verwirrt Pferde und lässt viel Raum für kleine Frechheiten, die sich dann zu Widersetzlichkeiten ausbauen.
Ein Pferd muss wissen, dass es auch unangenehme Dinge ertragen muss. So grausam das erstmal klingt, aber in letzter Konsequenz darf ich meinem Pferd Schmerzen zufügen, die es ertragen muss.
Ich möchte keinesfalls, dass mir mein Pferd gleich nach dem Leben trachtet, wenn ich es mal verarzten muss (beispielsweise eine Wunde versorge, ein Hufgeschwür ausgeschnitten werden muss oder ich ein Pferd aus einer Situation -beispielsweise verheddert im Führstrick, Decke oder Zaun- befreien muss).
Einem wohlerzogenen Pferd, kann ich so manche Nasenbremse, Sedierung (gerade wichtig bei älteren Pferden und Pferden mit Kreislaufproblemen) oder Verletzung ersparen, wenn es vertraut und auch mal erträgt.
Moritz erträgt leider nichtmal das Hufehochheben hinten, da er lt. deiner Aussage hinten schlimme Hufe hat, tun ihm diese wohl auch weh. Zudem hat er Gleichgewichtsprobleme und möchte sich auch nicht damit auseinandersetzen.

Wenn du die Hinterhufe hochhebst, achte darauf, den Huf anzufassen und abzukippen. Zieh das Bein nicht weit weg vom Körper. Einfach das Pferd das Bein anheben lassen und den Huf abkippen. Das ist anfangs die sicherste Methode. Wenn er trotzdem treten sollte, nimm erstmal ein Seil und lass ihn schaukeln.
Das Leben anschließend sollte zwar nie fehlen, aber sich auf ein kurzes Lob beschränken. Er hat ja nur einen Huf hochgenommen und nicht gerade die WM gewonnen.

Körpersprachlich solltest du sehr genaue Signale geben. Erst einmal sollte Moritz dich nicht umrennen, drängeln oder aufdringlich werden.
Grundsätzlich gilt, wo du stehen möchtest, hat er nicht zu stehen. Er sollte einen höflichen Abstand zu dir halten, der bei einer guten Beziehen recht eng sein darf. Er soll ja nicht vor dir flüchten, wenn du das nicht gerade wünschst.

Stell dich ganz einfach dicht an seine Seite und tippe ihn ganz sanft mit dem Finger an. Dabei machst du dich groß und spannst den Körper an. Weicht er nicht, lässt du deinen Körper gegen ihn fallen und schubst ihn um.
Ein neutrales Pferd wird sich wundern und nach 1-3 Mal schon auf Tippen und Körperspannung 1-2 Schritte Platz machen.
Ein dominantes Pferd wird gegenhalten und muss mehr geschubst werden. Bei solchen Pferden solltest du beim Schubsen auch den Kopf ruckartig hochwerfen (als wolltest du ihn anprollen - ey ich will hier hin, verschwinde).
Ein sehr dominantes Pferd wird versuchen dich in den Oberschenkel zu beißen. Sei also auf alles gefasst.
Beißt das Pferd nach dir - werde zur Furie. Schlag ihn nicht sondern kneif ihn hinter das Vorderbein, schrei ihn kurz an und bedroh ihn durch dominantes Auftreten. Keinesfalls darf man dann nach dem Kopf schlagen.

Das Pferd soll dann an der Longe lernen, dich zu beachten.
Longiere ihn (am Besten am Knotenhalfter). Dabei lässt du die hintere Schulter vorn. Treib ihn mit dem Ende der Longe. Dieses Ende wird geworfen. Dein Kopf ist oben.
Dann blick zu Boden und nimm eine lockere Körperhaltung ein, er soll dann zu dir kommen. Zieh ihn also zu dir heran. Er soll dann vor dir stehen bleiben (nicht dich umrennen). Erst wenn er steht, wird er gelobt. Dreh dich dann auf der Stelle (keinesfalls einen Schritt zurück, nichtmal einen halben) und treibe ihn von dir weg - entweder in die gleiche Richtung oder mit Richtungswechsel. Er hat in einem höflichen Bogen um dich herumzugehen. Weiche nicht zurück, sondern lehn deinen Oberkörper -wenn du unsicher bist- lieber ein wenig vor.
Diese Übung kann man nicht oft genug machen. Das Pferd lernt, dich jederzeit wahrzunehmen und im Blick zu halten - auch wenn er nach außen schaut, hat er dich mit einem Auge im Blick zu halten.
Moritz soll sich also auf dich konzentrieren.

Nach und nach kann man mit dieser Übung spielen und das Pferd mit der Zeit körpersprachlich aus jeder Gangart Handwechsel machen lassen oder zu sich holen.

Die Übung erhöht die Konzentrationszeit und stärkt das Vertrauen, denn das Pferd wird immer dann zu sich gehole, wenn es sich entweder für andere Dinge interessiert oder auch erschreckt. Es lernt, dass du der ruhige Pol bist.

Gehen und Stehen
Führe Moritz. Er darf dich mit dem Kopf nicht überholen, sonst schick ihn zurück. Niemals am Strick ziehen, sondern an der Brust zurückschicken. Bei sturen Pferden kann man auch schonmal mit dem Rest der aufgewickelten Longe an der Hand an die Brust klatschen. Niemals dem Pferd weh tun, immer nur bedrohen. Je bedrohlicher die Situation aussieht, je wirkungsvoller ist sie. Je mehr sie weh tut (Schlag mit Gerte oder Strickende), je mehr wird das Vertrauen geschädigt und das Pferd wird unfreundlich und evtl. hektisch - es funktioniert dann aus Angst vor Schmerz und nicht weil es deine Sprache versteht. Pferde arbeiten über Drohgebärden, wirkliche Schmerzen (Tritte und Bisse) kommen erst nach mehreren Drohgebärden und meist nachdem der Rangniedere gejagt wurde.

Wenn du von Liebsein und Lob direkt auf 'ich füge dir Schmerz zu' umschwenkst, wird das Pferd dieses nicht verstehen.

So, jetzt zur eigentlichen Übung.
Du führst Moritz also. Immer wenn er dich überholen will, änderst du die Richtung. Am Besten gleich entgegengesetzt. Der Strick ist immer gleichlang und auch dein Tempo ändert sich nicht. Er wird sehr schnell lernen, dass es keinen Sinn hat, in eigene Richtungen abzuweichen.
Wenn er dieses beherrscht und sich nach dir richtet, wenn du ihn führst, solltest du ihn hinstellen. Er bekommt das klare Kommando (Steh, Halt oder Sahnebonbon oder was immer du dafür nimmst).
Mach dich nun direkt vor ihm groß, bau Körperspannung auf und nimm das Kinn hoch. Geh in dieser Haltung rückwärts. Folgt er dir geh bedrohlich auf ihn zu. Weicht er nicht zurück, renn ruhig auf ihn zu, jag ihn zurück - aber nur körpersprachlich, ohne Worte, ohne Hektik.
Bedroh ihn.
Wenn er stehen bleibt aber dich nicht anschaut schaukel mit der Longe, bis er dich anschaut.
Er soll stehen und dich anschauen, während du auf Longenlänge von ihm rückwärts weggehst. Dann steht euch einfach gegenüber.
Dann veränder deine Körperhaltung indem du dich entspannst, auf den Boden schaust (ihn anschielen), und dich ganz leicht seitlich drehst. Er soll dann zu dir kommen, also hol die Longe in einer fließenden Bewegung ein.
Auch diese Übung kann man nicht oft genug machen. Sie erhöht wieder die Konzentration auf dich, stärkt die Bindung zwischen euch und erhöht deine Dominanz. Du bist sein ruhiger Pol, er darf zu dir kommen und muss von dir weg bleiben, was er nicht gern hat - er muss dich ja fixieren. Er wird lieber entspannt bei dir stehen als von dir weg in höchtst Konzentration, bis er zu dir darf und sich entspannen darf.

Die nächsten Übung erfordern etwas Geschick und Vorarbeit. Die vorherigen Übungen sollten aus dem FF klappen. Euer Verhältnis sollte jetzt soweit sein, dass er aufmerksam ist und sich gern nach dir richtet. Mit diesen Übungen verbesserst du dann den Zügelgehorsam (Führgehorsam beim Grasen etc. - er wird sich nicht mehr selbständig machen, auch nicht bei Gefahr) und das Körpergefühl und Gleichgewicht des Pferdes.

Bevor ich mir jedoch die Finger wund schreibe, möchte ich natürlich wissen, ob du bisher meine Ausführungen verstanden hast und überhaupt so arbeiten willst.
Wenn ja, kannst du ja schonmal beginnen und mir dann schreiben wie er sich anstellt und was für Erfahrungen du mit den Übungen hast.

LG
Nantje



Moritz
Hallo Nantje,

ich misch mich hier einfach mal ein. Dein Bericht ist ganz toll. Vieles habe ich schon aus dem Bauch heraus gemacht, aber bei einigen Sachen die Du beschrieben hast ist mir die Komplexität nie so bewußt geworden wie bei Deinen Ausführungen. Ich danke Dir dafür. Würde mich freuen weiteres von Dir zu hören

LG
Darka

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25. November 2013 um 5:52

Lass das Grasen am Anfang sein
Es ist von dir echt lieb, dass du ihn grasen lassen möchtest als Belohnung. Allerdings können Pferde nur im unmittelbaren Augenblick eine Belohnung, wie du sie möchtest, erkennen. Meinstens reicht es schon, wenn du konsequent beim Hufekratzen bist und dein Pony mit einer ruhigen Stimme lobst und evtl. MAL ein Leckerchen gibst.
Bei einem 19 jähirgen Pony solltest du nur vorsichtig sein evtl. hat es auch ein medizinischen Hintergrund warum er die Hufe nicht gerne gibt.
Mein Pferd hatte vor einem halben Jahr ähnliche Probleme, die auf eine Verspannung in der Hüfte zurück zuführen ist. Es ist also besser für dich und das Pony Gymnastik zu machen oder eine runde spazieren zu gehen, als ihn fressen zu lassen. Wenn er dich dann irgendwann als Leitpferd ansieht wird er einfach mit gehen wenn du meinst, dass er genug gefressen hat. Sowas kann jedoch sehr lange dauern.

Viele Grüße

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27. November 2013 um 16:29

Hallo eosine
danke für deine Antwort. das mit den hufen muss noch vom schmied abgeklärt werden, aber der besi hat null Interesse es zu machen bzw den zu rufen. vorne sind sie kurz aber hintern gehen sie nach vorne spitz zu und die seiten sind weggebrochen. Er läuft auch fast auf den fesseln. Es sieht zum heulen aus echt!
Wenn er mal läuft dann schaukelt er so komisch vor und zu
zurück Am Wochenende hat es sooo dolle geregnet und er stand nur da und hat nur gezittert hab ihm dann meine Thermo-decke übergelegt und dann ging es. Hoffe er hat sich nix weggeholt bei. Er konnte kaum stehen so doll haben die Beine gezittert. Muss auch leider sagen das sein Weidekumpel vor kurzem starb und er nu ganz alleine ist
momentan ist er auch voll zickig habe versucht das von nantje (gegen ihn Lehnen das er weicht) und da hat er versucht mich in die Beine zu beißen. Hab aber leider den Fehler gemacht das ich mich erschreckt hab und zurückgegangen bin und nu versucht er es immer wieder grrr das ärgert mich echt!
Das grasen lassen habe ich jetzt komplett weggelassen und als Lob streichle ich ihn jetzt lieber.ich hab das Gefühl das geht besser. Mittlerweile hat er auch das schmusen entdeckt was ich sehr toll finde. Hab auch schon überlegt ihn zu übernehmen aber was sagt ihr denn dazu?

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27. November 2013 um 23:27
In Antwort auf erika_12125620

Hallo eosine
danke für deine Antwort. das mit den hufen muss noch vom schmied abgeklärt werden, aber der besi hat null Interesse es zu machen bzw den zu rufen. vorne sind sie kurz aber hintern gehen sie nach vorne spitz zu und die seiten sind weggebrochen. Er läuft auch fast auf den fesseln. Es sieht zum heulen aus echt!
Wenn er mal läuft dann schaukelt er so komisch vor und zu
zurück Am Wochenende hat es sooo dolle geregnet und er stand nur da und hat nur gezittert hab ihm dann meine Thermo-decke übergelegt und dann ging es. Hoffe er hat sich nix weggeholt bei. Er konnte kaum stehen so doll haben die Beine gezittert. Muss auch leider sagen das sein Weidekumpel vor kurzem starb und er nu ganz alleine ist
momentan ist er auch voll zickig habe versucht das von nantje (gegen ihn Lehnen das er weicht) und da hat er versucht mich in die Beine zu beißen. Hab aber leider den Fehler gemacht das ich mich erschreckt hab und zurückgegangen bin und nu versucht er es immer wieder grrr das ärgert mich echt!
Das grasen lassen habe ich jetzt komplett weggelassen und als Lob streichle ich ihn jetzt lieber.ich hab das Gefühl das geht besser. Mittlerweile hat er auch das schmusen entdeckt was ich sehr toll finde. Hab auch schon überlegt ihn zu übernehmen aber was sagt ihr denn dazu?

Pony übernehmen
Sabrinas, ich kann dich sehr gut verstehen. Wenn ein Tier, das man ja auch liebt, so leiden zu sehen, ist schwer. Man leidet mit und wird selber ganz traurig. Der Wunsch das geliebte Tier zu übernehmen und ihm damit zu helfen und sein Leben wieder schön zu gestalten, ist da ganz normal. Wir haben auch schon einige Tiere erlöst.
Du musst dir nur ganz sicher sein, dass du das wirklich willst und auch kannst.

Wenn du so ein Tier übernimmst, hast du eine Geldvernichtungsmaschine, die nichtmal dankbar ist!
Auf dich werden dann mehrere Jahre Tierarzt und Schmiedekosten zukommen, die weit über die Kosten für ein gesundes und reitbares Pferd hinausgehen.
Das Pferd wird im Gegensatz zu den Pferden in Wendyheftchen nicht dankbar sein und treu ergeben alles für dich tun.
Das Pferd wird aufleben. Seine Lebenseinstellung wird sich nicht ändern. Es wird nur lebhafter und auch stärker.
Genau in der Umstellungsphase muss man dann extrem mit dem Pferd arbeiten. Dieses Arbeiten kann Bodenarbeit sein, es kann aber auch (je nach Zustand des Pferdes) in Verarzten, Massieren und einfach da sein (Zeitaufwand) bestehen. Deine sehr häufige Anwesenheit ist -gerade in der Rekonvaliszenzphase- ungeheuer wichtig, da sich das Pferd in dieser Phase neu auf alles einstellt.

Der psychische Schaden, den das Pferd davongetragen hat, wird nicht das Problem sein. Es ist wohl eher eine finanzielle und Zeitfrage, die absolut nicht unterschätzt werden darf.

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