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Ein herrlicher Tag heute - könnt ihr das nachvollziehen?

15. August 2008 um 22:13 Letzte Antwort: 26. August 2008 um 12:20

Hallo an alle!
So viele Menschen waren heute traurig wg. dem Wetter. Uns ward dadurch das herrlichste Erlebnis beschert, seit langem.

Hauptakteure:
Mandy = Arabo-Haflingerstute, gescheit, lieb, eigensinnig, stur, kinderlieb. Beim Ausreiten Haflinger, beim Heimreiten Araber...
Warri = halbes Vollblut, halber Hannoveraner, intelligent, brav, ein ganz klein bisschen feige....

Heute Morgen Kaffeetrinken auf dem Balkon: es regnet wie aus Eimern. Mein Mann und ich sind total verärgert - es rentiert sich gar nicht, in den Stall zu fahren. So ein Mist!
Es regnet pausenlos und stark bis um ca. 13:00 Uhr. Ich räume gerade die Küche nach dem Mittagessen auf, lustlos, frustriert. "Es hat aufgehört zu regnen", höre ich meinen Mann sagen. "Dann könnten wir bei dem Wetter heute vielleicht endlich mal ins Gelände. Die Mücken werden nicht so schlimm sein". Gesagt, getan.
Um 13:45 Uhr waren wir im Stall. Pferdis waren noch auf der Koppel. Sie waren die ganze Nacht draußen und heute Früh wollten sie gar nicht rein. Sie haben den Regen, die Kühle scheinbar sehr genossen....und, dass keine Mücken da waren.
Beim Reinholen will Mandy nicht auf den Putzplatz - sie will gleich in den Stall. "Nein, meine Kleine, erst reiten wir aus". Sie sieht mich an, als wäre ich total verblödet, ihre ganze Körperhaltung drückt Entsetzen und Widerwille aus. Der Große von meinem Mann sieht nur noch allerliebst verdattert drein, etwas hochnäsig und blasiert, wie sich für ein (halbes) Vollblut gehört.
Wir sind schnell fertig, Warri startet dann doch noch einen Versuch: er nimmt das Gebiss nicht gleich an. Lässt sich bitten, nimmt es erst gnädig, als mein Mann seinen Finger zu Hilfe nimmt.
Wir reiten vom Stall weg, der Weg führt zwischen den Koppeln, die Pferdis lassen uns ihren Unwillen spüren, das Treiben ist bei mir schweißtreibend. Dann, nach ca. 100 m die Biegung nach links. Ich spüre Mandy unter mir, wie sie sich erst entspannt - sie hat wohl beschlossen, dass ich da oben wohl jetzt kapiert habe, dass sie eigentlich kein Bock hatte. Ihr Schritt wird leichtfüßig, sie hat richtig Lust mal rauszureiten. Der Große tut eh alles brav und diszipliniert, Hauptsache Mandy geht vor. Und die ist plötzlich richtig gierig darauf, in den Wald zu kommen. Bei der Hitze in den letzten Wochen, bei der Mückenplage war nur Platzreiten angesagt. Weder sie noch ich mögen das besonders gern. Wir können es beide, wissen, dass es wichtig ist, dass es die einzige Möglichkeit ist im Sommer, aber uns drängt es raus.
Wir biegen nochmal nach ein paar Meter rechts ab und sind dann auf dem ersten Wiesenweg. Obwohl es viel geregnet hat, ist der Boden erstaunlich trocken. Wir traben leicht an, danach wieder Schritt. Es fängt wieder an zu regnen und bei der nächsten Biegung zögert Mandy - links ginge es heim. Will ich? Nein, meine Süße, wir reiten jetzt einfach weiter. Es wird schon wieder aufhören zu regnen, und wenn nicht, dann sind wir eben nass. Sie ist sofort dabei und wir halten uns also rechts in Richtung Wald. Den Hügel hinauf können wir schön traben und beide Pferde genießen es. Es erstaunt uns, wie energievoll sie loslegen. Diszipliniert zwar, aber voller Schwung. Ein herrliches Gefühl!! Oben angekommen schnauft der Große ein wenig, die Kleine ist fit wie ein Turnschuh. Es regnet immer noch, aber es macht uns mittlerweile nichts mehr aus. Hätte es bereits im Stall schon so geregnet, wären wir vermutlich nicht ausgeritten. Aber im Sattel scheint das gar nicht sooo schlimm zu sein. Der nächste Hügel ist in Sicht, wir reiten hinauf und ich spüre dieses Gefühl der grenzenlosen Freiheit. Die Aussicht hatte ich so sehr vermisst - das wird mir jetzt erst so richtig bewusst. Die Felder, der Wald, die Hasen, die Vögel, diese reine, frische Luft, kein Haus, keine Straße, keine Menschen... Ich könnte weinen vor Freude, unbewusst tätschele ich Mandys Hals. Sie steht da und horcht. Warri ist auch ganz aufmerksam, der Kopf ist erhoben... Ich sehe meinen Mann an und ich liebe ihn in diesem Augenblick sehr - der Ausdruck in seinen Augen - wir sind seelenverwandt. Wir lächeln uns an und traben los. Ich lache auf, als wir am Hügelkamm entlang traben, ein paar Biegungen sind dabei, Mandy geht aus sich raus und ich lasse sie machen. Ich spüre ihre Freude und sie spürt vermutlich die meine. Der Große ist hinter uns - er überholt aber nie. Zum einen würde mein Mann das gar nicht zulassen, zum anderen ist Warri ein kleiner Feigling. So lange Mandy vorreitet, ist er mutig. Wenn er mal vorne ist, dann macht er in die Hose.
Wir reiten um einen Waldabschnitt herum und durch den Wald wieder zurück. Der Wind ist stark geworden, es regnet wieder ein paar Minuten lang. Mandy wird zu schnell. Wie eingangs erwähnt, kehrt sie am Nachhauseweg immer den Araber raus. Ich weiß, ich darf das nicht zulassen. Also seufze ich innerlich, ok, muss wohl sein, dass wir nun arbeiten. Es ist schwierig, weil meine Reitbeteiligung ihr das durchgehen lässt und bei mir muss sie parieren. Wir gehen konzentriert den ganzen Weg nach Hause. Ich lasse keinen Augenblick nach, sie versucht jede Gelegenheit zu nutzen, um schneller zu werden. Ich muss höllisch aufpassen, dass sie mich nicht austrickst. Und sie hat Tricks drauf: erst muss sie pinkeln, dann schnaubt sie ab, schnaubt wieder ab und zieht dabei jedes Mal den Kopf runter. Klar, versucht sie dann den ersten Schritt wieder schneller anzusetzen; das muss ich jedes Mal verhindern und ich tue es konsequent. Irgendwann hört sie dann auf, ich gebe ihr etwas Zügelfreiheit, sie ist dankbar, genau 2 Minuten. Danach versucht sie wieder zu rennen. Dieses Theater wiederholen wir bis fast zu Hause. Es ist aber nicht mehr so schlimm, wie noch vor ein paar Jahren und wir haben uns schnell geeinigt, dass (zumindest in manchen Situationen) ich die Chefin bin. Es tut mir trotzdem gut, ich genieße es, dieses "Spielchen" und ich denke mir manchmal, dass sie es auch genießt. Sie ist die ganze Zeit über immer gutmütig, deswegen glaube ich, dass sie mich schlichtweg verarscht.
Auf dem Weg an den Koppeln entlang zurück, hält sich Warri plötzlich neben uns. Herrje, jetzt auf einmal ist er mutig geworden. Wir reiten Schritt, weil wir bald da sind. Wir haben sie zwar nicht schnell geritten, aber ich rieche den Schweiß der Pferde trotzdem. Es fängt wieder an zu regnen, als wir im Stall ankommen......

Pferdis sind versorgt, wir trinken einen guten Kaffee vor dem Stüberl und sehen uns zufrieden und glücklich an. Beide können wir nicht aufhören, darüber zu reden, wie schön es war, mal wieder länger draußen gewesen zu sein....

Morgen soll es ja wieder warm werden. D. h. auch, dass die Mücken wieder da sein und dass wir auf dem Platz reiten werden. Ich freue mich darauf - ganz klar - aber, so sehr ich den Sommer auch liebe, ich bin froh, wenn der Herbst kommt, die Felder abgemäht und die Mücken verschwunden sind. Wir haben heute einen Vorgeschmack bekommen auf das, was wir seit dem Frühjahr fast vergessen hatten: wie schön es doch ist, auf dem Rücken der Pferde die Wälder zu durchstreifen......

Ich hoffe, ihr findet es nicht blöd, dass ich das heute geschrieben habe. Aber ich musste es loswerden, und bei euch bin ich mir sicher, dass ihr auch versteht und fühlt, was ich meine.

Liebe Grüße

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26. August 2008 um 12:20

Hi Ina,
wie macht sich dein Freund auf dem Pferderücken? Jetzt müsste er ja schon einige Stunden beisammen haben?
Liebe Grüße

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